Deutschsprachige Gemeinschaft

1980 wurden in Belgien die Gemeinschaften als föderale Einheiten geschaffen, vergleichbar mit einem deutschen oder österreichischen Bundesland oder einem Schweizer Kanton. Durch das Gesetz vom 31. Dezember 1983 wurde die bestehende Kulturgemeinschaft in eine Gemeinschaft mit mehr Autonomiebefugnissen umgeformt. Am 30. Januar 1984 wurde der Rat der Deutschsprachigen Gemeinschaft eingesetzt, der die erste Regierung der deutschsprachigen Minderheit in Belgien wählte.

Der Begriff Deutschsprachige Gemeinschaft klingt komisch, da er in allen drei Landessprachen Belgiens grammatikalisch falsch ist: Eine Gemeinschaft als Institution kann nicht sprechen.

Warum dann dieser Begriff? Die Mehrheit der ostbelgischen Politiker wollte den Begriff Deutsche Gemeinschaft vermeiden. Denn die Deutschsprachigen sehen sich seit den 1960er Jahren fast ausnahmslos als Bürger des belgischen Staates. Als deutschsprachige und nicht deutsche Minderheit grenzen sie sich seither emotional besonders stark gegen ihre unmittelbaren Nachbarn ab: Im Osten gegenüber den Deutschen, da die Minderheit die negativen Folgen des übersteigerten deutschen Nationalismus zwischen 1920 und 1945 miterlebt hatte. Und im Westen gegenüber den Wallonen, zu denen einerseits schwächere kulturelle Beziehungen bestehen und die andererseits im kommunikativen Gedächtnis für die Verdrängung der deutschen und das Aufzwingen der französischen Sprache nach 1945 verantwortlich gemacht werden.

Ab der Jahrtausendwende förderte die Regierung in Eupen die Bezeichnung Deutschsprachige Gemeinschaft, bzw. das Kürzel DG, als Identitätsangebot. Allerdings wussten und wissen recht wenige Flamen, Wallonen, Brüsseler, Niederländer oder Deutsche etwas mit dem institutionellen Begriff Deutschsprachige Gemeinschaft anzufangen. Er ist historisch sehr jung und setzte sich auch bei den Bürgern in Ostbelgien nur teilweise durch. 

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