Deutsch-Belgien oder Deutsch-Ostbelgien

Beide Begriffe tauchen vereinzelt seit den 1950er und 1960er Jahren auf. Einerseits wurden sie von einer kleinen Minderheit verwendet, die sich nach 1945 gegen die Unterdrückung der deutschen Sprache in Belgien wehrte und sehr starke Sympathien mit der jungen Bundesrepublik hegte. Andererseits propagierten mehrere Politiker der 1971 gegründeten Regionalpartei, der Partei der deutschsprachigen Belgier (PDB), diese Umschreibung. Sie wollten verdeutlichen, dass die deutschsprachigen Belgier einerseits Bürger der belgischen Staatsnation sind, andererseits aber Teil einer deutschen Kulturnation. Täglich würden die deutschsprachigen Belgier deutsches Radio hören und deutsche Fernsehsender schauen, würden während der Schulausbildung mit Goethe, Heine und Brecht konfrontiert, fieberten mit den Vereinen der Bundesliga und kauften häufig in Deutschland ein, so ihre Argumentation.

Diese Begriffe stießen in der Bevölkerung auf große Widerstände. Sie verweisen auf das kollektive Trauma der Annexion der Region durch Nazideutschland und der anschließenden Säuberung durch den belgischen Staat nach 1945. Deshalb setzten sie sich nicht durch.

In vielen anderen deutschsprachigen Minderheiten werden sie als normal empfunden. Die Deutschsprachigen in Dänemark bezeichnen sich beispielsweise als Deutsch-Dänen, die Deutschsprachigen in Rumänien als Rumänien-Deutsche, die Deutschsprachigen in der Schweiz als Deutsch-Schweizer.

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