Trimmyland Eifel: Lauf doch mal wieder!

Der Veränderung auf der Spur.

„Ein Schlauer trimmt die Ausdauer!” In den 1960er und 1970er Jahren wandelte sich die Lebens- und Arbeitswelt vieler Westeuropäer. Immer weniger Beschäftigte arbeiteten in der Landwirtschaft oder der Industrie, immer mehr verbrachten ihren Arbeitstag an einem Schreibtisch in einem Büro: Verwaltungen, Banken, Krankenkassen und Versicherungen boten vermehrt Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor an – auch in der belgischen Eifel.

2018-03 VAS Trimm dich Bild

Der freie Samstag ist eine junge Errungenschaft. Er wurde erst Ende der 1950er Jahre eingeführt. 1960 hatten 90 Prozent der belgischen Arbeitnehmer einen freien Samstag. Auch die Arbeitszeit war deutlich verkürzt worden. Das Bedürfnis nach neuen Freizeitbeschäftigungen entstand.

In Ostbelgien boten die Kaufhäuser wie Nopri, Grand Bazar oder Delhaize in den 1960er Jahren nicht nur ausreichend Nahrungsmittel. Der Konsum veränderte sich auch. Zucker, Sahne und Butter wurden immer häufiger gekauft, da sie bei einer rasant steigenden Kaufkraft erschwinglicher waren.

Zu wenig Bewegung, Stress im Büroalltag und eine durch das Wirtschaftswunder geprägte Wohlstandsernährung führten zu neuen Krankheiten. Das und neue, teure medizinische Geräte in den Krankenhäusern ließen die Kosten im Gesundheitssektor in die Höhe schnellen. Die allgemeinen Lebenshaltungspreise verdoppelten sich beispielsweise von 1960 bis 1972.

Einen Lösungsansatz für die neuen Krankheiten fand man in der lateinischen Redewendung: „Ein gesunder Geist, in einem gesunden Körper.“ Durch Bewegung sollte Stress abgebaut werden, Ausdauer sollte die Gesundheit fördern, die freie Zeit sollte sinnvoll gestaltet und die Bevölkerung fit gemacht werden. Nicht umsonst wurden die ersten Wandervereine in der belgischen Eifel in dieser Zeit gegründet: der Eifeler Wanderverein Büllingen (1973) oder der Elsenborn Wanderverein (1973).

Die Orte Büllingen (1976), Sankt Vith (1982), Bütgenbach (1983) und Born (1989), die umliegenden Orte Eupen (1974), Kronenburg und Vielsalm (1975), Raeren, Ovifat und Thirimont (alle 1980) sowie Kelmis (1984) griffen mit der Einrichtung ihrer Trimm-dich-Pfade eine Idee auf, die in den 1970er Jahren in aller Munde war: Auf recht einfach zu absolvierenden Trainingsstrecken mit Geräten im Wald sollte sich jeder Bürger fit machen. Initiatoren dieser Trimm-Pfade waren meist Verkehrsvereine, die Gemeinden, die Juniorenkammer oder Versicherungen.

Durch den Deutschen Olympischen Sportbund wurde das Maskottchen „Trimmy“ und die Trimmkampagne entwickelt. Mit dem Slogan „Trimm dich durch Sport“ wurde der Breitensport gefördert – auch über das deutsche Fernsehen, das die Fernsehbesitzer in den Ostkantonen in großer Mehrzahl bevorzugt schauten.

Interessanterweise wurden die ersten Trimm-Pfade in Belgien (auch in Ostbelgien) offiziell Vita-Parcours genannt, da sie durch die Schweizer Versicherungsgesellschaft Vita gesponsert wurden. Im allgemeinen Sprachgebrauch setzte sich aber die aus Deutschland nach Ostbelgien herübergeschwappte Bezeichnung „Trimm-dich-Pfad“ durch.

zurück zur Übersicht