Das andauernde Ende des Zigarettenqualms

Ein Bild und seine Geschichte.

Häufig atmen Dinge Geschichte. Das fällt ganz besonders auf, wenn man in einem Auto sitzt, im Hotelzimmer oder bei Papier. Damit ist keineswegs der Charme eines Oldtimers, eines alten Landhotels oder einer Quelle aus dem 19. Jahrhundert gemeint. Gemeint ist der muffige Geruch von Tabakwaren, der sich überall anheftet und so an eine Vergangenheit erinnert, in der die Zigarette, die Zigarre oder die Pfeife fast schon zum guten Ton gehörten.

2018-07 EBSG Zigarettenqualm

Auf dem vorliegenden Bild sehen wir eine Gruppe Rentner aus Mürringen Ende der 1960er Jahre. Die KLJ Mürringen organisierte zu dieser Zeit - einmal jährlich – den sogenannten „Ausflug der der Betagten“. Das Bedürfnis war groß, da die Senioren damals in der Regel keine PKW-Besitzer waren. Als Fahrer meldeten sich Freiwillige. Sie kutschierten die Rentner in ihrem privaten PKW in einer Fahrzeugkolonne zu den ausgewählten Ausflugszielen der näheren Umgebung, in denen es Interessantes zu sehen oder zu erleben gab. Eine gemeinsame Mittags- und Abendmahlzeit sowie „ein Kaffee“ gehörten natürlich zum Programm dazu.

Was auffällt: Alle Herren rauchen. Sie stehen damit in einer vierhundertjährigen Tradition des Tabakkonsums, der die Geschichte Europas prägte. Umschlagplätze für Tabakwaren und neue Handelsströme entstanden. Auch das Beisammensein veränderte sich durch das Rauchen und der kleine Mann erhielt neben dem Alkohol ein zweites erschwingliches Genussmittel. Erst seit einigen Jahrzehnten werden uns die Schattenseiten des Tabakkonsums immer stärker bewusst gemacht: Sucht, Krankheit und Umweltzerstörung durch Tabakanbau.

Auf dem Mürringer-Bild rauchen allerdings nur die älteren Herren. Die jüngeren Damen tun dies nicht. Frauen fanden recht spät zur Zigarette. Erst in der Zwischenkriegszeit begannen Frauen in größeren Städten Tabak zu konsumieren. Vorher war das Rauchen von Zigaretten nur der Männerwelt vorbehalten. Der Konsum eines „Männerproduktes“ und die politische Emanzipation der Frau in den Städten – wie die Einführung des Frauenwahlrechts und die ersten Frauenbewegungen – in der Zwischenkriegszeit fallen also zusammen. In der Eifel blieb der Tabakkonsum noch sehr viel länger eine Männerdomäne. Die soziale Akzeptanz rauchender Frauen stieg hier erst im Laufe der 1970er Jahre.

Während die gesundheitsgefährdende Wirkung des Tabaks bis in die 1950er Jahre noch weitestgehend unbekannt war und in Deutschland bis zu 88 Prozent der Männer rauchten, wurde ab den 1970er Jahren einer jüngeren Generation immer stärker bewusst gemacht, wie schädlich der Konsum von Tabak eigentlich ist.

Die Geschichte des Tabaks ist daher auch immer eine Geschichte des Verbots. Besonders in den letzten Jahren wurde massiv versucht, gegen den schädlichen Rauch anzukämpfen. Seit dem 1. Januar 2010 ist die gesamte Gastronomie in Belgien rauchfrei. Der Raucher wird vor die Türe geschickt. Ebenso wurde der Rauch vom Arbeitsplatz und vielen öffentlichen Orten verbannt und die Tabaksteuer immer wieder erhöht. Das hat positive Folgen: Mittlerweile sind nur noch 22 Prozent der belgischen Bevölkerung Raucher. Allerdings rauchen noch immer 16,5 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 24. Die Raucherzahlen geben auch Aufschluss über unser gesellschaftliches Gefüge: Noch immer sind Menschen mit einem geringeren Abschluss doppelt so häufig Raucher, wie Menschen mit einem universitären Abschluss. Ebenfalls greifen Männer weit häufiger zur Zigarette als Frauen. Die Umsatzzahlen der Tabakkonzerne sind klar: Weltweit stagniert der Absatz oder sinkt bereits und vor allem in Europa löst sich der Rauch langsam in Luft auf.

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