Peter Kofferschläger

Menschen machen Geschichte

Peter Kofferschläger

Die Geschichte Ostbelgiens ist ab 1920 eng mit der Geschichte Belgiens verknüpft. Die Geschichte Peter Kofferschlägers macht deutlich, wie vor allem katholische Organisationen das Zusammenleben in Ostbelgien nachhaltig beeinflussten.

Der gelernte Tischler Peter Kofferschläger, gründete 1935 in Kelmis die Katholische Arbeiterjugend und wurde später zum ständigen Sekretär dieser Organisation ernannt. In die Zwischenkriegszeit fällt ebenfalls seine Initiative zur Neuorganisierung der Liga der Christlichen Arbeiter. Von 1938 bis 1940 und von 1945 bis zu seinem Tode war Kofferschläger auch Bürgermeister von Kelmis. Weil Kofferschläger stark in der christlichen Arbeiterbewegung verwurzelt war und dem belgischen Staatsgefüge während der Zwischenkriegszeit treu blieb, wurde er während des Kriegs in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt.

Peter Kofferschläger war Mitglied der Kammer von 1946 bis 1960 und somit der erste Nachkriegsabgeordnete Ostbelgiens, wobei er ebenfalls für einige Zeit Vizepräsident der christlich-sozialen Partei in der Kammer war. Hier – mit demselben Eifer wie sein Parteikollege, der Eupener Arzt Dr. Joseph Baltus im Senat – trat er als entschiedener Verteidiger der Ostkantone auf und brandmarkte die dort herrschenden Missstände – insbesondere die ungerechte Härte der politischen „Säuberung“ und die Unterdrückung der deutschen Sprache. Darüber hinaus sprach er sich für Entschädigungen für eine gleichberechtigte Entschädigung der Zwangseingezogenen aus, die aber noch zwei Jahrzehnte einer endgültigen Lösung ihrer Probleme harren sollten. Immer wieder drängte er auf die Beseitigung der Kriegsschäden in Ostbelgien, eine Anerkennung der 8000 Zwangseingezogenen und machte sich für ihre Belange im Parlament stark.

Anhand der Persönlichkeit Peter Kofferschlägers wird deutlich, wie konfliktreich das Zusammenleben in der Zeit von 1920 bis in die 1970er Jahre im heutigen Ostbelgiens war und dass es ein schwarz-weiß Denken in Bezug auf die Veränderungen jener Zeit nicht gibt. Kofferschläger, der als Insasse eines Konzentrationslager besonders unter dem nationalsozialistischen Regime litt, setzte sich nach dem Krieg für den Respekt vor der deutschen Kultur und Sprache ein. Das war keineswegs der Grundtenor jener Zeit. Er steht exemplarisch für eine Nachkriegsgesellschaft, die für ein besseres Zusammenleben vor allem eines brauchte: Verständnis für die Handlungsweisen des Anderen.

Lebensdaten:  1910 – 13. September 1960

Geburtsort:

Wirkungsort: Kelmis/ Brüssel

Sterbeort: Kelmis

Beruf/Funktion: Politiker

Konfession: katholisch

Namensvarianten:

zurück zur Übersicht