Hubert Jenniges

Menschen machen Geschichte

Die Präsenz Hubert Jenniges in den Medien veränderte Ostbelgien nachhaltig. Er hatte eine Vision und vertrat diese Vision in zahllosen Radiobeiträgen. Viele Dinge, die bis dato noch Tabuthemen waren, sprach er mit seinen journalistischen Kollegen an. Er schenkte den Forderungen der bis dato noch benachteiligten Ostbelgiern ein Gehör und schenkte ihnen gleichzeitig eine Stimme. Grund genug also, einen Blick auf Jenniges Leben zu werfen.

 

Quelle: Tonarchiv des Belgischen Rundfunks

 

Fast ein halbes Jahrhundert lang war der Romanist und Historiker Hubert Jenniges, der 1963 von der Bischöflichen Schule St. Vith in das Brüsseler Studio des Belgischen Rundfunks wechselte und dort zuletzt bis 1998 die Inlandredaktion leitete, der wohl versierteste Beobachter der politischen Entwicklung in Ostbelgien. Seine stets um Objektivität bedachte, aber nicht selten von kritischem Kommentar begleitete Berichterstattung galt vielen als willkommene Ergänzung zu den bisweilen tendenziösen Informationen der Eupener geschriebenen Presse. Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren, während der nicht immer für jeden durchschaubaren Debatten über die Autonomie der Deutschsprachigen, sorgten Jenniges’ Rundfunkbeiträge für mehr Klarheit. Seine Beobachtungen aus dieser Zeit hat Hubert Jenniges 2001 in einem Buch festgehalten: „Hinter ostbelgischen Kulissen. Stationen auf dem Weg des deutschen Sprachgebiets in Belgien.“

Hubert Jenniges prägte die mediale und historiographische Landschaft Ostbelgiens ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie kein zweiter. Jenniges verbrachte seine Kindheit in Afst, einem kleinen Dorf an der deutsch-belgischen Grenze. Diese ersten Kindheitserfahrungen werden von ihm als prägend beschrieben. Er besuchte das "Collège Marie-Thérèse" in Herve und studierte anschließend in Löwen Romanistik und Geschichte. Vor allem in erstgenannter Schule wurde er sich durch fehlende französische Sprachkenntnisse seiner Zugehörigkeit zur deutschen Sprachgruppe bewusst. Kurze Zeit arbeitete Jenniges als Geschichtslehrer an der Bischöflichen Schule in Sankt Vith, entschloss sich aber dazu, eine Berufslaufbahn als Journalist einzuschlagen. Zunächst schrieb er für verschiedene Zeitungen, die Sankt Vither Zeitung, die Aachener Volkszeitung und das Grenz-Echo. Gleichzeitig prägte er die Geschicke des aufstrebenden Belgischen Hörfunks als freier Mitarbeiter. Dort sprach er schon in seinen ersten Jahren noch ungemütliche Themen, wie die Zeit des Zweiten Weltkriegs, an und behandelte verstärkt kulturelle und geschichtliche Themen. Jenniges wurde 1969 ernannt und konzentrierte seine journalistische Tätigkeit ab diesem Augenblick vor allem auf den Rundfunk. Ein Jahr zuvor war die Vergemeinschaftungsfrage in Belgien virulent geworden. Die Kammern, die 1968 gebildet wurden, waren verfassungsgebend. Im Rahmen dieser Diskussion um die Zukunft Belgiens schaltete sich auch der Belgische Hörfunk ein. Jenniges nutzte das ihm zur Verfügung stehende Sprachrohr, um auf die Probleme der deutschsprachigen Belgier aufmerksam zu machen und er erkannte die Möglichkeiten, die sich aus der anstehenden Staatsreform ergaben. Dabei pflegte Jenniges immer auch eine gewisse Nähe zur Politik. Zweifelsohne war er sich seiner Möglichkeiten, die sich aus seiner Tätigkeit als ostbelgisches Sprachrohr ergaben, durchaus bewusst. In diesem Zusammenhang darf Jenniges wohl als einer der Verteidiger weitgehender kultureller Autonomie für die deutschsprachigen Belgier beschrieben werden.

Als der Belgische Hörfunk bzw. von nun an Belgische Rundfunk 1977 seine Unabhängigkeit von der Radio-Télévision Belge und der Belgische Radio en Televisie - bzw. dem Institut des Services communs – erhielt und daraufhin seinen Hauptsitz nach Eupen verlagerte, blieb Jenniges im Brüsseler Studio, das er von nun an leitete.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit engagierte er sich in verschiedenen politischen Vereinigungen und Netzwerken. Vor allem seine Tätigkeit als Vorsitzender des 1965 gegründeten Geschichts- und Museumsvereins Zwischen Venn und Schneifel sticht heraus. Als Regionalhistoriker verfasste er hunderte Artikel, Studien und Monographien zur Vergangenheit der belgischen Eifel.

Hubert Jenniges hatte eine Vision und vertrat diese Vision auf objektive Weise in den Medien. Er wollte das Leben der Ostbelgier besser gestalten. Warum sich aber ein Blick auf seine Geschichte lohnt? Auch heute noch werden wir allerorts von Medien beeinflusst. Sie beeinflussen die Positionen, die in einer Gesellschaft vertreten werden. Sie sind Spiegel aktueller Entwicklungen und gleichzeitig versuchen sie die Gegenwart zu beeinflussen. Ein Blick auf die Medien lohnt also nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart.

Lebensdaten: 1934-2012

Geburtsort: Manderfeld

Wirkungsort: Brüssel

Sterbeort: Gent

Beruf/Funktion: Historiker, Journalist

Konfession: katholisch

Namensvarianten:

 

Weiterführende Literatur:

(semi-)Autobiographische Quellen:

Hubert Jenniges: Hinter ostbelgischen Kulissen: Stationen auf dem Weg zur Autonomie des deutschen Sprachgebiets in Belgien (1968 - 1972), Eupen 2001.

Hubert Jenniges: Eifeler Kindheit: Erinnerungen aus einem fernen Jahrhundert, Eupen 2004.

Literatur über Hubert Jenniges:

Klauser K.-D., « Hubert Jenniges zu seinem 70. Geburtstag », 12 décembre 2004 en ligne : http://www.zvs.be/2004/12/hubert-jenniges-zu-seinem-70-geburtstag-11-12-2004/ .

 Zwischen Venn und Schneifel (dir.), « Feier zum Gedenken an Hubert Jenniges », 27 avril 2013 en ligne http://www.zvs.be/vereinsleben/vereinsleben/ .

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