Der Boom der Fitness-Studios

Der Veränderung auf der Spur

Im Jahr 2017 betrieben 10,61 Millionen Deutsche in 9.000 Fitness-Anlagen Sport. Die Studios erwirtschafteten dabei einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro[i]. Ein Rekord. Zahlen für Belgien liegen nicht vor. Auch in der belgischen Eifel hat der Sport im Studio seit einigen Jahren breiten Zulauf.

Die amerikanischen Filme „Rambo“ (ab 1982), „Terminator“ (ab 1984) oder die Serie „Baywatch“ (ab 1989) standen stellvertretend für die erste Fitness-, Bodybilder- und Aerobicwelle der 1980er Jahre. In Sankt Vith baute Paul-Rainer Gillessen, damals Sport-Instruktor bei den belgischen Streitkräften, 1986 erste Trainingsmöglichkeiten bei sich im Keller als Angebot („Vita Sport“) für andere auf. Die Trainingsmöglichkeiten dehnten sich von Bodybuilding über Cardio-Übungen bis zu Aerobic immer weiter aus. 2003 wurde das „Injoy“ in der Rodter Straße gebaut und im Januar 2004 eröffnet, das seit 2013 den Namen „emotion“ trägt.

In den 2010er Jahre setzte die zweite große Fitnesswelle ein. Instagram und Youtube prägten weltweit einen neuen Do-it-yourself-Körperkult (DIY): Der Körper als individuell formbare Gestalt faszinierte Millionen Menschen. Am 23. August 2010 eröffnete das Fitness-Zentrum „Medifit“ auf der Domäne in Bütgenbach. Am 2. März 2015 folgten in Sankt Vith die „EMS Vitallounge“ (seit 1.1.2017 in der Luxemburger Straße) und am 1. September 2017 „Spartan Sports“ in der Malmedyer Straße. Vier Fitness-Zentren für rund 31.000 Einwohner.

Wie verändert dieses Angebot die Sportlandschaft in der belgischen Eifel? Die Betreiber gaben auf Nachfrage[ii] ausnahmslos an, dass sie sich nicht als Konkurrenz zu den Sportvereinen sehen. Viele Nutzer wollten individuell und betreut nach ihrem Rhythmus Sport treiben oder einen Ausgleich, bzw. eine gezielte Ergänzung zu ihrem Vereinssport finden. Zudem bestehe eine gute Zusammenarbeit mit vielen Sportvereinen. Auch das Gesundheitstraining nehme einen breiten Raum ein.

Noch vor 150 Jahren gab es in der gesamten Region fast keinen Sportverein. Die Turnvereine entstanden im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Fahrrad- und Fußballclubs folgten seit der Zwischenkriegszeit. Der Boom der Sportvereine setzte dann ab den 1960er Jahren ein. Der Bau zahlreicher Sporthallen und Sportplätze in den 1970er Jahren vergrößerte nochmals die Möglichkeiten. Träger der Infrastruktur waren meist Vereine. Nun betrieb die Masse der Eifeler Sport im Verein. Individualsport war eher die Ausnahme.

Sport im Fitness-Studio ermöglicht aber ein grundsätzlich individuelles Sporterlebnis, das von Vereinsstrukturen völlig losgelöst ist: Der Gebrauch der Infrastruktur wird über ein Abonnement bezahlt, ehrenamtliche Eigenleistung wird nicht verlangt, die übrigen Sportler ermöglichen – zum Beispiel beim gemeinsamen Training – soziale Kontakte, diese sind aber keine notwendige Voraussetzung mehr.

Mittelfristig wird dieses Angebot die Sicht der Eifler auf Sport, Fitness und auf die hiermit verbundenen sozialen Rahmenbedingungen verändern. Die Reaktionen der Vereine bestimmen darüber, ob sie dieses neue Angebot als Stärke nutzen können oder darunter leiden werden. Auch wenn die Geschichte des Fitness-Sports in der belgischen Eifel erst kurz ist, so zeigt sie doch, wie stark sich unsere Gesellschaft verändert.

 

[i] Die letzten aktuellen Zahlen vgl. FAZ, 11.4.2018, S. 21.

[ii] Email von Spartan Sports vom 12.12.2018, EMS-Vitallounge vom 28.11.2018 und von Emotion-Fitness vom 12.12.2018.

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