Ein Geschenk für Ostbelgien

Das heutige Ostbelgien wird 100 Jahre alt. Zeit für Geschenke? Die Bürger der Deutschsprachigen Gemeinschaft sollen die Möglichkeit geboten bekommen, ihrer „DG“ ein Geschenk zu machen. Dieses Geschenk soll „100 Jahre Ostbelgien“ aus einer subjektiven Perspektive beleuchten. Das Geschenk kann aus der Vergangenheit (ein persönliches oder familiäres Erinnerungsstück) oder der Gegenwart (ein zeitgenössisches Objekt) stammen, es kann ein Schriftstück (Brief, Tagebuchauszug, Notiz, u.a.), ein Bild (Foto, Gemälde, u.a.) ein Lied oder Musikstück, ein Objekt (Sachgegenstand egal welcher Art) oder ganz einfach etwas Originelles sein. Obwohl das Wort "Geschenk" eine positive Konnotation hat, kann das Objekt auch zum Nachdenken über die Geschichte der Region anregen!

Die Teilnehmer können dieses Objekt schenken oder zu einer Ablichtung (digitales Foto oder Kopie) zur Verfügung stellen. Immer sollten sie aber das Objekt durch einen eigenen kurzen Text (zwischen zehn und 50 Zeilen) in einen Kontext stellen und verdeutlichen, warum dieses Objekt eine Facette aus dem großen Mosaik der „100 Jahre Ostbelgien“ ist.

Der BRF berichtet über das Projekt: Ein Geschenk für Ostbelgien: Das Zentrum für ostbelgische Geschichte will zum Nachdenken anregen

Das Grenz-Echo berichtet über das Projekt: Zentrum für Ostbelgische Geschichte lädt ein zur Serie „Ein Geschenk für Ostbelgien“

 

Geschenke können unter folgender Mailadresse eingereicht werden: info@geschichte.be

Wir behalten uns das Recht vor, Beiträge zu redigieren (Rechtschreibung, Grammatik).

Einreichungen können in folgenden Fällen abgelehnt werden:

  • Der Beitrag verstößt gegen demokratische Grundprinzipien oder stellt diese in Frage: Rassismus, Hasspropaganda, Diskriminierung werden nicht geduldet.
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Jeder Beitrag muss den vollständigen Klarnamen des Verfassers (Vorname, Nachname), Adresse und Telefonnummer (zur Überprüfung dieser Angaben) enthalten. Der vollständige Klarname und der Wohnort werden veröffentlicht.


 

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75 Jahre nach der Ardennenoffensive gedenken Deutsche und Belgier gemeinsam dieser Zeit.

Ein Dank an Ostbelgien: Von der Bundeswehr-Reservistenkameradschaft Vechta

Eigentlich ist es kein Geschenk an Ostbelgien, sondern es war ein Geschenk Ostbelgiens an uns. Uns, das ist die Bundeswehr-Reservistenkameradschaft Vechta (Niedersachsen). Auf Einladung des Bürgermeisters von St. Vith, Herbert Grommes, wurde uns die Ehre zu teil, im Dezember 2019 an den Zeremonien anlässlich des Beginns der Ardennenoffensive vor 75 Jahren mitzuwirken. Erstmalig seit Ende des zweiten Weltkrieges nahmen damit in St. Vith Deutsche Reservisten in Uniform an der Gedenkveranstaltung teil. Dies geschah auf Vorschlag des Freundeskreises der Reservisten Eupen-Malmedy-St. Vith, namentlich dessen Koordinators Marcel Vaessen. Seit einigen Jahren sind die beiden Organisationen freundschaftlich miteinander verbunden, entstanden war der Kontakt durch eine militärhistorische Exkursion der Vechtaer Reservisten nach Belgien, bei der Marcel Vaessen als Referent fungierte.

Es war keineswegs ein selbstverständliches Unterfangen die Genehmigung zu erhalten, in Bundeswehruniform offiziell gemeinsam mit den belgischen Reservisten und einer amerikanischen Ehrengarde ein Zeichen der heutigen Verbundenheit zu setzen. Denn auf Seiten der Bundeswehr war die Skepsis vorhanden, ob ein Auftreten von Deutschen in Uniform als unsensibel gegenüber der Geschichte, den Opfern und den ehemaligen Kriegsgegnern aufgefasst werden könnte. Aber im Nachhinein kann man sagen, dass wir ganz im Gegenteil von allen Beteiligten herzlich willkommen geheißen wurden. Bürgermeister Grommes betonte in seinen Reden die Wichtigkeit unserer Anwesenheit als ein Symbol der Völkerverständigung, des Friedens und der europäischen Partnerschaft. So haben es die Anwesenden und die Öffentlichkeit offensichtlich auch gesehen und unterstützt. Als Beleg dient hierfür eben das Foto, welches sogar auf der Titelseite des Grenz-Echos veröffentlicht wurde: Ein deutscher und ein (ost)belgischer Reservist händeschüttelnd in St. Vith vor dem Gedenkstein für die (amerikanischen) Gefallenen der Ardennenschlacht.

Wir sind dankbar und erfreut, dass wir Reservisten aus Vechta mit unseren ostbelgischen Kameraden so ein inniges Verhältnis pflegen. Als Vorsitzender der RK Vechta und als gebürtiger Aachener ist mir dies ein Herzensanliegen und ich konnte meine Kameraden aus dem norddeutschen Vechta damit „anstecken“. Vor rund 15 Jahren zog ich mit meiner Familie aus beruflichen Gründen nach Niedersachsen. Wie heißt es doch in einem Sprichwort: „Vieles lernt man erst zu schätzen, wenn man es nicht mehr hat“. Dabei vermisse ich nicht nur meine Heimatstadt Aachen, sondern diese besondere Situation im Dreiländereck. Das europäische Flair, das besondere Lebensgefühl, die Verschiedenheit und gleichwohl die Zusammengehörigkeit. Insbesondere meine Affinität zu Ostbelgien rührt wohl auch daher, dass ich in Kindertagen in Moresnet und Kelmis gelebt habe. Zwar fehlen mir daran viele Erinnerungen, da ich zu jung war, aber die Erzählungen meiner Eltern und meiner Geschwister über unsere Zeit dort haben diese Zuneigung entfacht.

Ostbelgien hatte als Minderheit keine einfache Geschichte und deshalb bewundere ich es umso mehr - dafür, dass die Ostbelgier ihre Kultur und Lebensart erhalten haben und loyale Belgier sind, dass sie ihre Muttersprache pflegen und gleichzeitig oft drei Sprachen beherrschen, dass sie offen gegenüber ihren innerbelgischen und europäischen Nachbarn sind und trotzdem ihr Eigenständigkeit bewahren. Das klingt wie eine Liebeserklärung – das ist es auch, denn für mich ist Ostbelgien das wahre Europa!

 

Alexander Esser, Unteroffizier der Reserve

Vorsitzender der Bundeswehr-Reservistenkameradschaft Vechta

 

 


 

Erinnerungen eines Nachkriegkinds: Von Hubert Jates

 

Ein ganzes Jahrhundert Ostbelgien! Eine kleine deutschsprachige Minderheit in Belgien feiert Geburtstag. Mein Beitrag dazu sollte eine Homage, ein Dank an unsere Vorfahren sein, an unsere Eltern und Großeltern, denn sie legten die Grundsteine zu unserem heutigen Wohlstand. Beide Generationen mussten nach zwei Weltkriegen und vielen Schäden mühsamen Aufbau leisten! Es waren sehr harte und prägende Jahre. Es herrschte Trauer um verlorene Familienmitglieder, Mutlosigkeit und Hungersnot. Nicht desto trotz haben sie mit viel Einsatz und Willenskraft aus den Trümmern wieder ansehnliche Häuser und Bauten erschaffen, und die Basis zu unserer Zukunft gelegt. All diese wechselhaften Geschehnisse trugen wesentlich zum Charakter und Beliebtheit des Ostbelgiers bei! Durch ihre  Tugenden wie Fleiß und Jovialität, untermalt vom rheinischen Humor, Sprachenvielfalt, Treue und Zuverlässigkeit sind die Ostbelgier weit über ihre Grenzen hinaus beliebt, gesucht und willkommen bei ihren Arbeitgebern - bis hin zu Weltfirmen!

Mein kleiner Beitrag zum Anlass ist anbei, das Gedicht „ob Amelter Platt“: ERENNERONGE VAN EM NOKRECHSJONG.

Hubert JATES, Amel

 Erenneronge van em Nokreechsjong (von Hubert Jates)

...ech on vill anner, wee domols nom Kreech
jeboren on'd Johr 1946, on loch domols on'd Weech
et wür et d'r Wert, han ech mir jedaat...
on hat es dorüfer e Jedicht jemaat.
Ech ka mech noch siehr jot dran erennere,on denken zeröck..
domols, an dee hart Zegt, jeprächt van dèm jrausamen Onjelöck!
Dèn Alldar wor vam Kreech bestömmt noch ètlech Johre lang,
oss Eltere kallten dovan onn wore noch emmer bang!
Va menger Konnerzegt, dee schungst Erenneronge han ech noch on de Kopp:
et wor ob Chrestdar, no d'r Mitternachtsmoss, d'Stuffdür wor zojebonne mot'm decke Stropp.
Ech hatt domols e janz jruwsse Wonsch, alls dat klee Männche, 
ech wönscht m'r en Krepp önner dat jeschmöckt Chrestdarstännche.
Dofür haan ech da wochelang vürher van Herze jebèt,
wan ech des ovends da jung nom Bett,
ech wor veer Johr ald, do stonn eeng do, e su klee "Büdche",
onn och noch mot'm Schweif dè Stèr, onn on dè Stal e klee Lütche,
nom Naatmoss, juff mot d'r Jruwsstant dat janz Jebètboch durechjesonge,
uss Fröcht, m'r konnt lang obblejfe, hat dat emmer schung jeklonge.
On da soss m'r bij den Opa ob de Schuwss, hè fong dan an ze dichte,
va fröher, van de Pèrd, va Pommern, Schlesien onn all dè Jeschichte.
Vam Kreech, va senger Deenstzegt, hän hat jedeent bij'd "Ulane",
da jung eengem ob dat kleen Herzjen, dir konnt et ahne.
Alls kleenge Jong mott m'r all'd düchtech mott a packe,
dat broch eengem "uss d'r Krung keeng Zacke"!
D'Aufjabe flott jemaat,on erobjeströft dee Mauwe,
onn Holz ero jedran, et juff flott döjster, m'r mott sech zauwe.
On'd Schull, für de Liehrer on de Pastur, janz hüje Respekt!
Do juff jefolecht, kee Quatsch onn net ajeeckt.
Für dee Lögt motte mir Jonge e lokter zejen dee Kapp
ejal wo, op d‘ Stross, de Schullhoff oder erob dee Trapp.
Dee Schull durt domols va Mones boss Samstes en janz lang Woch,
m'r jung och all'd net emmer jèren...af on zo hat m'r "Wij an de Boch".
M'r juff flott jruwsser, e beemol wor m'r och Mossdeener,
emmer mij hèlefe on'd Burerej, a packen onn dran der Eemer.
Öm ze drènke dee Kalfer, donot flott no d'r Kirech nom Rusekranz,
donot juff noch jèt fange jespillt öm'd Kirech mott Josef onn  Franz.
Üverhobt, et juff vill do busse jespillt, wee fangen onn verberje,
Cowboy onn Indianer, onn on de Wonter eraf jeschlitt van de Berje.
E su vill Schnij, all Dar's junge mir schlidde,
ob Lietmoss 1953, lor de Schnij boss ze 2 mèter hüj dee Widde!
Wat wor dee Zegt doch domols schung!
M'r wor zefridde, m'r wosst net besser, m'r wor "Jung"!
M'r fröcht sech ob'd Festovend onn ob'd Kirmes, da juff et Flaad,
zem dökste juff dè van d’r Mamm noch sèlfer jemaat!
Wa m'r dat verjlecht mott dèr Zegt van högt,
onn wee einfach doch domols lèften dee Lögt!
alles jung m'r ze Foss, mot'm Rad, jearbet mott d'r Hand, on keeng Automate.
Nom Feld brat Mamm öm veer Uhr en Tart mot'm Ei, jèt Salz onn e paar Tomate.
On'd Doref juff et vill Bure, onn all Howser hatten "e Wau-Wau".
Et juff keeng Rasemäher, winech Radios, onn keen TVau.
D'Ovens jung da Pap zerute, dobij vill jeklaaft onn jelacht,
onn on den Hèrest juff dan e fett Schweeng jeschlacht.
Dat Fleesch hong daan e paar Dar on'd Backesköchen an en Krock onn e Stropp,
onn da juff Wuscht jemaat, onn en jot deck Trejpenzopp.
Ze esse janz einfach, on de Summer vill Kartoffelsalat mott hartjekochten Eier,
e jode Brod (Braten), nömmen ob'd Fest, d'Kirmes oder en besonech Feier.
Siehr döck jebrode Jrompere, onn on den Hèrest da logter Knöddele!
Krank!? Vill winejer wee högt, all'd n'kir de "Mummes" oder "d'Röddele".
On de Wonter juff et des Ovens dermeest "zwöschen dee Zänn"
jesalzen Hirenge mott uss dèm jruwsse Kessel jekochter Quellmänn!
Onn jèt janz besonech jodes, dat verjèssen ech nie,
ovends e joden Teller mott "jedröchter Promme on de Weessemèhlsbrie"!
Nömen e paar Autos on en Doref, d'r 6-7, dat woren d'r all'd vill,
et juff keeng Kompjuter onn e sun Denger wee dän  "Telefong mobil".
"Ei Fones" oder e su jèt ähnleches juff et domols on'd Pann mott Speck,
onn Sonnes no d'r Andacht juff et e jot Stöck vam " Kranz onn Sösse Weck".
Waan e Jeschwisterche ob'd Welt kom, hosch et: "d‘Mamm broch sech e Beeng".
Onn af onn zo jung m'r Pap onn dem Opa an de "Krüchelsbrandeweeng".
Mott Curd Jürgens onn Maria Schell, dè Filem "Schinderhannes", mott vierzeh Johr,
m'r moch sech fein, onn dut vill Brillantin on'd Hoor.
M'r wor af onn zu och "en Duwe", da juff et Klöpp onn Hiebe,
mott 16 Johr "dèn ischte Kuss", die erste Liebe.
Ob kleeng Zèddelcher jeschrife: "vill Jröss,ech haan dech jère", e su nett,
högt ze Dar jeht e su jèt alles va wegs onn üfer'd "Internet".
Wa m'r högt üferlècht, onn zeröckdenkt: vür sèszesch Johr,
da stellt m'r fast, onn dat oss jo e su wohr,
öm Verjlech ze högt, wor m'r o villem "honner de Mond", und noch so Jung,
onn trotzdèm, onnverjèsslech Johr! ÄFER SE WORE SCHUNG!

 

 


Ein Lächeln für Ostbelgien: Ein Geschenk von Bernadette Hüwels

Wir schenken Ostbelgien zum 100jährigen ein strahlendes Lächeln aus Äthiopien!

Menschen für Menschen-Belgien  feierte  in 2019  auch und zwar sein 25jähriges Bestehen. 

Als Karlheinz Böhm vor einem Vierteljahrhundert nach Ostbelgien kam und mit politisch Verantwortlichen und Interessierten zusammentraf und erklärte:

„Es gibt keine erste, zweite oder dritte Welt. Wir alle leben auf ein und demselben Planeten, für den wir gemeinsam die Verantwortung tragen.“ antwortete Ostbelgien laut und deutlich „STIMMT“.

Ostbelgier leben im Grenzland, haben immer Grenzen überwunden und im Nachbarn den Partner gesehen.  Sie haben bewiesen, dass das auch zutrifft, wenn die Grenzen auf dem afrikanischen Kontinent verlaufen.  Ostbelgier treten für Ihre eigenen Rechte ein, vergessen aber auch die ihrer Mitmenschen im äthiopischen Hochland nicht.

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Ein Bild von Menschen für Menschen-Belgien ©Liliane Weynand

In den vergangenen 25 Jahren haben wir über eine Million Euro an Spenden in zwei Gesundheitsstationen, elf Quellfassungen, 50 Handpumpenbrunnen und fünf Schulen mit 68 hellen Klassenzimmern neugebaut und tausenden äthiopischen Männern, Frauen und Kindern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. 

Für 25 Jahre sagt Menschen für Menschen-Belgien und Ostbelgien DANKE.

Das heißt auf Amharisch

„Bät’am amasagägginallähu“ 

Bernadette Hüwels

 


 

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Der Baumstumpf im Wald, auf dem Weg vom Marienkapellchen nach Medell. ©Engelbert Cremer.

Der Baumstumpf im Wald: Ein Geschenk von Engelbert Cremer

Ich möchte Ostbelgien das Bild dieses unscheinbaren Baumstumpfes mit folgender Geschichte schenken:

Halt ein Wanderer auf deinem Weg! Siehst Du mich da stehen? Ein Stumpf! Kein Geäst schützt mich vor Regen und Schnee. Nur ein Deckel, schwarz, wie die dunkeln Gedanken, die mich befallen, wenn ich an frühere Pracht denke.

Stell Dir vor: einst - es sind kaum 150 Jahre her - war hier kein Wald. Du sahst nur Heide und Ödland.

Weil die Menschen Holz brauchten, haben sie nach und nach alles kahl geschlagen: sie erzeugten Holzkohle, beheizten Hochöfen um Eisen zu gewinnen. Für einen Wagen Eisen brauchten sie 36 Wagen Holz. Sie wärmten sich an kalten Tagen am Feuer...

Aber keiner kam auf die Idee neue Bäume zu pflanzen. Auch die Selbstsaat wurde von Schafen, Ziegen, Rindern und Schweinen, die man hierhin trieb, weggeweidet. Eines Tages war der Wald weg. Regen wusch den ungeschützten kargen Boden aus. Ödland entstand. Die Eifler plagte der Hunger und die Not.

Sei also klug Wanderer und lerne daraus: Lass dich nicht nur vom „jetzt“ treiben! Denk an die Wurzeln. Wenn sie fehlen, entsteht Öde. Denk daran: Bäume brauchst du, zum Atmen, zum Leben, nicht nur des Habens wegen.

Damals, vor 150, Jahren kamen die Preußen. Sie waren die neuen Besitzer des „Attenborns“, so nennen hiesige das Gelände. 1859 sagten die Preußen: „Wir müssen neue Bäume pflanzen. Aber keine Buchen und Eichen, sondern Fichten, die gedeihen, auch auf kargen Boden“. Die Leute wehrten sich. Sie wollten ihr Weideland nicht verlieren. Sie nannten den Baum verächtlich „Preußenbaum“ und versuchten nachts die Setzlinge rauszureißen. Diese mussten von Polizisten und Soldaten geschützt werden.

Sei also klug, Wanderer und lerne daraus: Manchmal muss man vom Gewohnten Abschied nehmen, der Zukunft wegen.

Ich hatte Glück und wurde nicht rausgerissen. Auch meine Kumpanen nicht. Wir wuchsen weiter. Belgier waren jetzt Besitzer des Attenborns. Anfang 1930 beschloss man aus dem Attenborn 5000 m³ Schnittholz rauszuschlagen, um den Neubau der Kirche von Medell zu finanzieren. Ich zitterte und dachte, jetzt kommt dein Ende. Aber man verschonte mich, ließ mich stehen, in Erinnerung an jene meiner Mitbrüder, die durch den Verkauf ihres Holzes zum Neubau der Kirche beigetragen hatten. Und man hatte dazu gelernt. Es wurden neue Fichten gepflanzt. Wie ihr seht, stehen sie jetzt in aller Pracht um meinen Stumpf herum.

Ich durfte unter den jungen weiterwachsen und brachte es auf stolze 11Kubikmeter Holz. Mein Umfang nahm zu (4,15 Meter; Durchmesser: 1,32 Meter), meine Höhe auch (38,3 Meter). Ich war weithin sichtbar, auch für den Blitz, der mich 2014 traf und zunichte machte.

Du wirst Dich jetzt fragen, warum hat man den Stumpf stehen gelassen und nicht weggemacht? Ich sag es Dir, Wanderer:

Er erinnert an das Vergangene. Auch an die Gebrechlichkeit des Vergangenen! Aber Lehren, die man daraus zieht, helfen Zukunft sichern. Denk daran: Es ist die eurer Kinder.

 

Diese Geschichte soll an Vergangenes erinnern und Lehre sein für die Zukunft. Es sollte auch an die vielen Menschen erinnern, die in Ostbelgien Geschichte wachhalten, daraus ein „denk mal“ machen, um vielleicht Zukünftiges anzustoßen. Sie helfen, dass „Denk-male“ nicht ins Reich des Vergessens gestürzt werden, aus Angst vor dem Erinnern oder weil das Erinnern schmerzhaft ist.

Engelbert Cremer, Medell

 


 

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Wer kann die Gesichter auf diesem Bild von Wilfried Dahmen erkennen. ©Wilfried Dahmen

Das Suchbild: Ein Geschenk von Wilfried Dahmen

Ich schenke Ostbelgien ein Suchbild mit den drei berühmtesten Köpfen der Region. Zahlreiche Anekdoten ranken sich um diese zwei Herren und diese eine Dame, die im Volksmund die wichtigsten Stellvertreter des kleinen Ostbelgiens in der großen Welt sind. In meinem Werk haben sie sich auf einer Landkarte versteckt. Wer findet im Norden den Kopf des „Schmaubären“ mit seiner bunten Karnevalsmütze, seinem langen Kinn und seinem markanten Kinnbart? Wer sieht sofort im Süden den bauernschlauen eifeler „Mottes“ mit seiner langen Nase, der lächend die Welt betrachtet. Allein „Madame Mâmdyene“, mit einem Ohrring bestückt, schaut gen Westen und ist mit „Mottes“ und „Schmaubär“ eng verbunden. Alle drei stehen für unzählige Neckereien. Sie stehen aber auch für Identität und das Bewusstsein, dass die kleinsten ebenso wie die großen Grenzen immer wieder überschritten werden müssen. Eigentlich typisch für Ostbelgien.

Wilfried Dahmen

Recht

 

 


 

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Die Veränderung des Glaubens in den letzten 100 Jahren. Zwei Bilder von Schriften zum Katholikentag 1927 und 2004.© Mariele Rampelbergh-Filz

Die Katholikentage: Ein Geschenk von Mariele Rampelbergh-Filz

Der Seelsorgerat, der sich mit der ostbelgischen Regionalkirche beschäftigt organisierte am 9. Oktober 2004 - unter der damaligen Leitung von Bischofsvikar François Palm (Walhorn) - ein ostbelgisches Katholikentreffen unter dem Motto „Unsere Sendung: Zeichen sein!?“. Dieses fand in St. Vith in der Maria-Goretti-Schule statt. Die Vorbereitungen waren enorm, da alles neu gedacht werden musste. Am besagten Wochenende standen viele Ehrenamtliche zur Verfügung. Es präsentierten sich 49 Zeugnisstände (z.B. Glaube und Licht, Kornfeld, Franziskanerinnen...). Auch wurden 13 Ateliers angeboten (z.B. Gefängnisseelsorge, Meditativer- und Liturgischer Tanz...).

Die Organisatoren waren mit dem Treffen sehr zufrieden, der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Viele Gespräche wurden über den Glauben geführt, wie man ihn hier und jetzt leben kann. Kardinal Daneels und Bischof Alois Jousten hatten sich angemeldet. Ich habe dort die Gemeinschaft Charles de Foucauld kennengelernt und bin ihr bis heute treu geblieben. Charles de Foucauld wird in Kürze heiliggesprochen.

Zu Beginn der Vorbereitung, unter der Führung von Pastor Claude Theiss, dachte der SR etwas „neues“ für Ostbelgien auf die Beine zu stellen...

Zu Hause erzählte ich davon. Mein Vater stand auf und kam mit der „Erinnerungsschrift zum Katholikentag in Eupen 1927“ zurück. Man spricht auch von einem „vergessenen“ Katholikentag, der eine echte Zeitgeschichte widerspiegelt. Ein Blick in das Buch reicht aus, um zu erkennen, wie sehr die Kirche (und der Glaube) sich in den letzten 100 Jahren verändert hat - auch in Ostbelgien. Dieses Büchlein möchte ich Ostbelgien zum 100 Geburtstag schenken.

Mariele Rampelbergh-Filz

Eupen


 

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Das Liederheft der Familie Hoffmann. ©Angela und Liliane Hoffmann

Das Liederheft: Ein Geschenk von Angela und Liliane Hoffmann

Liebes Ostbelgien,
zu deinem besonderen Fest, schenken wir dir einen kleinen Einblick aus einem Liederheft von Februar 1944.
Unsere Mutter begann mit 15 Jahren Lieder, die in dieser Zeit gesungen wurden, niederzuschreiben.
Die Lieder handeln von Liebe und Sehnsucht, von Krieg und Abschied.
Über 80 Lieder und auch Sprüche füllen dieses Heft, welches nun 76 Jahre alt ist. Es ist eine Sammlung fast vergessener Lieder.
Ihre Liebe zum Singen hat ihr durch einige schwere Momente – vor allem der Kriegszeit – geholfen.
Wir sind überzeugt, dass die Musik ein Segen für viele Menschen ist. Denn, wo man singt und spielt, da lässt man sich bekanntlich gerne nieder.

Angela und Liliane Hoffmann (Born/St.Vith)


 

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Das Cover des Buches "Streifzüge durchs östliche Belgien". ©Archi W. Bechlenberg

Die Großmutter im Preusswald: Ein Geschenk von Archi W. Bechlenberg

Seit 40 Jahren verstehe ich mich als Ostbelgier, auch wenn ich knapp "jenseits" wohne, in Gemmenich. 1980 bin ich aus Aachen dort hin gezogen. Mein Geschenk an Ostbelgien ist ein Buch, das ich 2015 geschrieben habe und das gerade in einer aktualisierten und erweiterten Neuauflage erschienen ist: "Streifzüge durchs östliche Belgien". Damit möchte ich deutsche und deutschprachige Menschen auf unsere Region aufmerksam machen.

Aus dem Buch will ich eine kleine Geschichte hier wiedergeben; sie wurde in meiner Familie oft und gerne erzählt. Sie geht so:

Meine Großeltern mütterlicherseits pilgerten in den 1920er Jahren jeden Sonntag zu Fuß von Aachen nach Moresnet-Kapelle. Mit dabei stets die Kinder, darunter auch meine Mutter. Ein anstrengender Weg, aber er musste getan sein. Beten und Kerzenanstecken in der kleinen Marienkirche standen natürlich im Vordergrund, aber es gab noch ein weiteres Motiv für die Ausflüge: Es wurde in Belgien vieles eingekauft, was in Deutschland in diesen Jahren nicht oder nur teuer zu bekommen war. Selbst Brot wurde von dort mitgebracht.

Das Einkaufen war allerdings nicht erlaubt, und so kontrollierten im Wald deutsche Zöllner, die offenbar keine Gnade kannten und sogar Kinder festhielten. Denn die wurden natürlich von ihren Eltern ebenfalls zum Schmuggeln eingesetzt.

Meine Großmutter habe ich nur als liebe Bilderbuchoma in Erinnerung. Doch einmal ist sie furchtbar aus der Haut gefahren. Im Preusswald, also im Grenzgebiet, wurde die kleine Karawane, an diesem Tag bestehend aus meiner Oma und den Kindern, von einem Zöllner angehalten. Er kontrollierte, was in den mitgeführten Taschen alles war, fand aber nur eher unbedeutendes Schmuggelgut, also weder Kaffee noch Tabak noch Alkohol. Dafür aber einige große Kastenweißbrote in der mitgeführten Einkaufstasche. Die Brote müsse sie herausrücken, befahl der Zöllner. Doch meine Oma, die wusste, dass das Brot anschließend von den Zöllnern selbst verzehrt würde, weigerte sich. Es gab einen lautstarken Streit, bei dem der Grenzhüter immer wieder die Herausgabe der Tasche mit den Broten verlangte. Die Kinder standen derweil weinend daneben. Und dann platzte meiner Großmutter der Kragen. Mit den Worten: „Die bekommt ihr nicht, eher piss ich drauf!“, setzte sie sich mit geschürztem Rock quer über die am Boden stehende Tasche und tat, wie sie angekündigt hatte.

Wie die Geschichte ausging, weiß ich nicht mehr, aber eigentlich braucht sie kein anderes Ende als dieses.

Archi W. Bechlenberg

Gemmenich


 

Das Geschichtsbewusstsein: Ein Geschenk von Alfons Velz

 

Ich möchte zur 100jährigen Zugehörigkeit zu Belgien folgendes Geschenk machen:


 

  • Ein Schreiben der Leiterin des BHF, Frau Irene Janetzky vom 17. November 1972 an mich, den Germanistik-Studenten Alfons Velz
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  • das dazu gehörende Manuskript der Sendereihe „50 Jahre Geschichte der Ostkantone“
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  • das Drehbuch und den Text dreier kurzer Theaterszenen von Robert Schmetz und Alfons Velz anlässlich der 100-Jahrfeier im Plenarsaal des Senates am 9. Januar 2020

 

Der Hintergrund:

Nach den erdrückenden 50er und 60er Jahren, 

  • die von Nachkriegssorgen, politischer Unsicherheit und Abstinenz geprägt waren 
  • und wo anfangs Misstrauen, Vergeltungsdrang - ja Hass - denen entgegen schlug, welche die deutsche Kultur und Sprache als ihre eigene empfanden, 
  • wo später aber auch erste Zeichen von Anerkennung und Reformwillen am Horizont auftauchten, war die Sendereihe „50 Jahre Geschichte der Ostkantone“ der BHF-Reporter Peter Thomas und Hubert Jenniges für mich eine Offenbarung.


War bis dahin mein Verhältnis zu meinem „Vaterland“ Belgien rein durch zufällig aufgeschnappte, meist emotional geprägte Gesprächsfetzen zwischen Erwachsenen aus meinem Umfeld geprägt gewesen, so eröffnete diese von den beiden Journalisten hervorragend recherchierte und dargestellte Zusammenfassung der ersten 50 Jahre unserer Zugehörigkeit zu Belgien mir als jungen Studenten endlich einen nüchternen Blick auf die Ereignisse der verflossenen 50 Jahre. 

Damit eröffnete sie mir gleichzeitig eine Perspektive für mein Leben in einem zukünftigen Belgien. Fernab von jedem Minderwertigkeitsgefühl, unter dem ich als „sâle boche“ des öfteren gelitten hatte, sah ich ab jetzt hoffnungsvoll einem Zukunftsbild entgegen, das von dem Flamen Leo Tindemans und dem Südtiroler Silvio Magnago Anfang der 70er Jahre skizziert wurde: ein Bundesstaat Belgien, in dem unsere Identität als deutschstämmige Belgier akzeptiert, ja respektiert würde.

Heute, 50 Jahre später, blicke ich dankbar zurück 

  • auf die Pionierarbeit dieser beiden Journalisten 
  • und ihre Sendereihe 
  • und das - durch letztere sicher auch angefachte - erfolgreiche Bemühen  vieler Politiker aller Parteien um die Schaffung und den stetigen Ausbau unserer Autonomie in der zweiten Hälfte unserer Zugehörigkeit zu Belgien.


Diese Dankbarkeit kommt vor allem in der dritten Theaterszene zum Ausdruck, welche im Senat am 9. Januar 2020 aufgeführt wurde.

Alfons Velz,

Mürringen


 

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Das Geschenk König Balduins und Königin Fabiola an Nikolaus Cormann. © Norbert Cormann

Der hundertste Geburtstag: Ein Geschenk von Norbert Cormann

Dies ist das Geschenk des belgischen Königspaares, Balduin + Fabiola, anläßlich des 100. Gbeurtstages am 15.7.1965 unseres Vaters Nikolaus Cormann, Lontzen, Gut Fleusch.

Norbert Cormann, Lontzen


 

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Der Reiseerlaubnisschein aus dem Jahr 1920.

Der Reiseerlaubnisschein: Ein Geschenk von Lothar Krämer

Mein Geschenk an Ostbelgien ist ein Reiseerlaubnisschein aus dem Jahre 1920.
Meine Großmutter Gertrud Klasen (1894-1969) stammte aus Bleialf. Zwischen dem heute belgischen Schönberg und dem deutschen Bleialf gab es viele Verbindungen. Lange Zeit hatte Bleialf zum kurtrierischen Amt Schönberg und Schönberg zur Pfarre Bleialf gehört. Verwandtschaftliche, gewerbliche, kirchliche und gesellschaftliche Beziehungen gab es zuhauf und als Schönberg 1920 belgisch wurde, bedeutete dies auch einen großen Einschnitt im Alltag der Menschen der beiden Nachbardörfer. Grenzübertretungen waren nur mehr über Genehmigungen erlaubt.
Mein Großvater Nikolaus Krämer (1886-1963) hatte „Traud“ schon vor der Grenzziehung kennengelernt und die Hochzeit war abgemacht. Jetzt aber wurde eine Einreisegenehmigung des „Haut commissariat des territoires réunis à la Belgique“ erforderlich. Dieser Reiseerlaubnisschein „ohne Rückkehr“ wurde meiner Großmutter am 27.5.1920 ausgestellt, damit sie in Schönberg heiraten und wohnen konnte. So fuhr sie also mit der Eisenbahn bis nach St.Vith, wo sie dann von ihrem Bräutigam abgeholt wurde. Bald wurde geheiratet, das Paar bekam 10 Kinder und viele ihrer Enkel und Urenkel leben heute noch in Schönberg. Hätten Oma und Opa sich auch kennengelernt, wenn es die Grenze schon früher gegeben hätte?

Bleialf und Schönberg sind geografisch gesehen noch immer Nachbardörfer. Aber die damalige Grenzziehung hatte zur Folge, dass die anfangs erwähnten vielfältigen Beziehungen noch heute eher spärlich sind.

Lothar Krämer, Schönberg


 

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Ein Bild der Junggesellen in Schönberg beim Aufrichten des Kirmesbaums.

Kirmes in Schönberg: Ein Geschenk von Claudine Schröder

Tradition des Kirmesbaum  Aufrichtens in den Dörfern.
 
Im Augenblick ist wieder die Zeit der Kirmes in den Dörfern und Städten.
In Schönberg findet die Kirmes traditionell immer  am Wochenende nach Pfingsten statt. Dieses Jahr fällt unsere Kirmes , so wie alle anderen auch, leider dem Coronavirus zum Opfer.
Das Foto aus dem Jahre 1932 zeigt das traditionelle Aufrichten des Kirmesbaumes in Schönberg durch den Junggesellenverein. Es ist also auch eine bestimmt 100jährige Tradition. Das Foto entstand vor meinem Elternhaus in der heutigen Bleialfer Straße. Im Vordergrund erkennt man das zweitälteste Haus Schönbergs aus dem Jahre 1808. Es wurde aus den Steinen und dem Holz der alten Burg von Schönberg erbaut  . Es ist das Haus " Schmotz" ( abgeleitet von Schmied ) und ist das heutige Restaurant " Zur Alten Schmiede". Das Haus oben " Troch" ( Dorftränke ) wurde 1838 erbaut und ist heute die "Brot& Tee Ecke Keller".
Auch wenn es in diesem Jahr 2020 keine Dorkirmes gibt , so freuen wir uns alle auf 2021.
 
Claudine Schröder
Schönberg

 

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Der Bildband "Das Hohe Venn" als Zeichen der Naturverbundenheit zu Ostbelgien. ©Willi Filz

Der Bildband: Ein Geschenk von Willi Filz

Ostbelgien möchte ich „Das Hohe Venn. Bilder einer Landschaft“ schenken.

Es wurde 1992 veröffentlicht. Der gesamte Prozess der Buchproduktion beinhaltete neben den technischen und fotografischen Herausforderungen vor allem eins: Freude. Die Freude, den Wind, die Weite, den Regen, das Gewitter zu spüren. Freude, meine Liebe zur Fotografie und zur Natur entwickeln zu können. Trotz der 25 kg schweren Großformat-Kamera-Ausrüstung hatte der Weg durch das Venn bei Nebel, Schnee oder eisiger Kälte eine unglaubliche Leichtigkeit.

Ich kehre auch heute immer wieder zurück und empfinde tiefe Freude über diese großartige Natur vor unserer Haustür.

Willi Filz

Iveldingen

 


 

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Eine Urkunde eines födekam Play-Ins als Zeichen der musikalischen Verbundenheit zu Ostbelgien. ©Steven Gass

Die Urkunde: Ein Geschenk von Steven Gass

Ich schenke Ostbelgien zum Jubiläum meine Urkunde des Play-In aus dem Jahr 2003 und eine Aufnahme des Projektes aus dem Jahre 2018.

Für mich waren das meine ersten musikalischen Schritte in einer größeren Gruppe und der Grundstein meiner musikalischen Laufbahn und meines Engagements in Ostbelgien.

Seit 15 Jahren habe ich das Glück dieses immer noch tolle Projekt mitplanen und mitgestalten zu dürfen. Es ist nach wie vor eines der spannendsten in meinem Terminkalender.

Auch wenn ich in Namur studiert und gearbeitet habe, so hat es mich zurück nach Ostbelgien gezogen. Die Region bietet viel in der Musikkultur - und dies sowohl in der Amateurkunst wie auch auf professioneller Ebene. Gerade diese Mischung reizt mich. Klare Trennungen in der Musik sollten vermieden werden, denn das Wort Amateur stammt vom Wort amare ab und bedeutet „lieben“. Es ist also die Liebe zur Ausführung, die zählt und nicht ausschließlich die Ausbildung.

Die Urkunde und das Video spiegeln also nicht nur meine musikalischen Anfänge wieder, sondern dieses große Miteinander und die Vielfalt der Angebote in dieser ländlichen Region. Über meine Engagements bei zahlreichen Projekten und Organisationen möchte ich diese Begeisterung, welches in unserer Region entfacht ist, an junge Musiker weitergeben.

Steven Gass

Schlierbach

 


 

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Eine Kinderzeichnung von Clara Viebig aus der Grundschule Manderfeld. ©Alfred Rauw

Clara Viebig: Ein Geschenk von Alfred Rauw

Die Clara in den Augen der Kinder …

Ich möchte ein Bild schenken. Es ist ein Bild der Schulpatronin der Manderfelder Schule: Clara Viebig, die von 1860 bis 1952 lebte.  Im Zuge der 150. Wiederkehr ihres Geburtstages hatte sich die Schulgemeinschaft ausführlicher als gewohnt mit ihr beschäftigt. Immerhin hatte die Eifeldichterin 1904 mit der naturalistischen Skizze „Auf dem Rosengarten“ erfolgreich um finanziellen Zuspruch für den Bau eines Krankenhauses in Manderfeld geworben.  Die Großgemeindeväter dankten es ihr im Herbst 1982, indem sie die neue Zentralschule offiziell nach ihr benannten.

Die Bildungslandschaft in diesem östlichsten Flecken Belgiens war vor den 1980er Jahren komplexer als heute.  Neben der Volksschule in Manderfeld bestanden noch weitere fünf Zwergschulen in umliegenden Ortschaften. Seit 1969 organisierte zudem der Staat im Gemeindehauptort eine eigene Unterrichtseinrichtung:  Eine lokale Form von Schulkampf war bald spürbar:  Zuerst gingen den umliegenden Kleinschulen die Schüler*innen aus, dann plante die Großgemeinde Büllingen eine „Zentralschule“. 

Um einen Schulfrieden bedacht äußerte Schulschöffe Gerhard Palm 1982 den Wunsch, dass „die beiden bestehenden Schulsysteme in Manderfeld (Staatsschule und Gemeindeschule) sich langfristig einander annähern und in einer nicht allzu fernen Zukunft der Verantwortung der Gemeinde unterstellt werden“.

Eine Fusion wurde aber erst denkbar, nachdem die Deutschsprachige Gemeinschaft 1989 für das Unterrichtswesen zuständig wurde.  Die Zusammenlegung erfolgte 1991. So logisch und sinnvoll ein Zusammenwachsen, was zusammengehört ab dem Schuljahr 1991-92 auch war, gelebte Schulalltag war nie einfach, die Schulfusion blieb ein lange Jahre  dauerndes Experiment. Auf diesem Terrain fehlte es den Initiatoren nicht an Mut oder Weitsicht, aber an Erfahrung.

Immerhin gewährte und verlangte die großgewordene Clara-Viebig-Schule (CVS) Transparenz: nach außen hin den Blick auf eine pittoreske Eifellandschaft freigebend, im Innern Lehr- und Arbeitsräume in einseitig offenen Nischen.  Wer hier lehren, lernen und arbeiten durfte, vereinbarte hausinterne Regeln des Zusammenlebens.

Die wohl entscheidende Probe aufs Exempel kam unverhofft.  Als aus dem St. Elisabeth-Haus ein Empfangszentrum für Asylbewerber wurde.  Die Gemeinde stattete darin Schulräume aus.  Die ersten vier Kinder trafen Anfang Oktober 2001 ein.

Dass die Kinder der Manderfelder Empfangsklasse die Projekttage der Schulpatronin Clara Viebig in der Schulgemeinschaft miterlebten, war im Schuljahr 2010-11 längst Normalität.  Damals entstand das Porträt der Schriftstellerin, das an dieser Stelle  einen Platz haben darf.

Das durch die Rosengarten-Novelle 1904 intendierte Gebäude ist noch da.  Das Rote Kreuz  des Asylbewerberzentrums und die Lehrer*innen der Clara-Viebig-Schule gestalteten seit fast 20 Jahren für weit mehr als 500 Flüchtlingskinder neue Lebenswege – auch in Ostbelgien.

Alfred Rauw,

Mürringen


 

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Eine Medaille als Zeichen der fünfjährigen Zugehörigkeit zum Rat der deutschen Kulturgemeinschaft. ©Helmut Schmitz

Die Medaille: Ein Geschenk von Helmut Schmitz

Zum Jubiläum möchte ich Ostbelgien die Medaille schenken, die ich für meine fünfjährige Zugehörigkeit zum Rat der deutschen Kulturgemeinschaft (1979 bis 1984) erhalten habe. Sie erinnert mich an meine persönliche Entwicklung und die der ostbelgischen Heimat.

Ostbelgien hätte wahrscheinlich nie die heutige Bedeutung und Lebensqualität erreicht, wenn es vor 100 Jahren nicht zu Belgien gekommen wäre. Unser sprachliches Alleinstellungsmerkmal und der Zwist der beiden großen Kulturgemeinschaften unseres Landes haben uns eine weitgehende Autonomie beschert, die allerdings nicht einfach vom Himmel gefallen ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben mutige Politiker und Verantwortliche der Gesellschaft sich gegen die Verteufelung der deutschen Kultur und Sprache gewehrt und beharrlich im Inland das Recht auf die eigene sprachliche und kulturelle Identität eingefordert. Inzwischen ist institutionell vieles erreicht, das nun allen hier wohnenden Bürgerinnen und Bürgern dienen soll. Für mich ist die deutschsprachige Gemeinschaft weder ein Selbstbedienungsladen noch eine künstliche Insel, die ihre Nachbarn nicht kennt oder kennen will.

Ich selbst betrachte meine fünfjährige Zugehörigkeit zum RDK als einen interessanten, lehrreichen Ausflug in ein wichtiges Feld unserer Gesellschaft. Er hat mich letztlich in der Rückkehr zu „meiner ersten Liebe“, der Berufung zum Priester, bestärkt.

Durch meinen Dienst als Priester habe ich während 15 Jahren in Neu-Löwen eine zweite Heimat gefunden: Wallonisch Brabant, wo ich die kulturelle Vielfalt, die inzwischen auch bei uns angekommen ist, kennen und schätzen gelernt habe.

Eigentlich sind der Job des Politikers und des Priesters gar nicht so weit von einander entfernt: Es geht um den Dienst am Nächsten. So sagte die verstorbene Lütticher Senatorin Huberte Hanquet (1926-2018) einmal: „Die Politik ist die höhere Form der Nächstenliebe“.

Möge letztere alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinschaft kennzeichnen; möge sie sich äußern in der Kombination von Verwurzelung und Weltoffenheit, von gesundem Selbstbewusstsein und echter Solidarität.

Helmut Schmitz

Eupen


 

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Der "Ostbelgienfilter" in der Zeitschrift Zwischen Venn und Schneifel. ©ZVS

Der Ostbelgienfilter: Ein Geschenk von Francis Feidler

Was ist Ostbelgien? Wer ist Ostbelgier? Ich möchte Ostbelgien zum Jubiläum die Fotografie eines Werkes „Ostbelgienfilter“ schenken, das ich 1982 entworfen habe. Es bestand aus Holz, einem Aluminiumfilter, einer Ausweiskarte und Ölfarben.

Damals schrieb ich: „Ein Mensch sucht seine Identität. Er fällt auf mancherlei Schwierigkeiten und schließlich stößt er auf die Tatsache, dass er als Ostbelgienmensch abhängig ist von den Flamen, Wallonen oder beiden zusammen.

Die augenblickliche Situation ist noch die vorteilhafteste, die er in seiner Geschichte kennt, denn um den Identitätsbegriff steht es schlecht bestellt in der Vergangenheit. Vor uns steht ein Mensch, der historisch nicht begrenzt ist, der jetzt und zukünftig lebt, weder männlich noch weiblich ist, der keinen Bestimmungsort hat und keiner Partei angehört. Einziges Erkennungszeichen ist die belgische Fahne, die ihn auf eine überflüssige Art und Weise dekoriert.

Da er meistens von Bauerneltern herstammte, ist sein Kopf durch ein Milchsieb dargestellt. Zweideutigkeit wird somit produziert, denn einerseits steht das Sieb symbolhaft da für denjenigen, der nicht mit seinem Kopf arbeitet, dem alles durchgeht, und der keine Zusammenhänge erfasst; andererseits steht dieses Sieb da für einen neuen Aufbruch, ein neues Bewusstsein, das im Kopfe des Ostbelgienmenschen entsteht, das gesteuert wird von Gedanken und Aktionen. Auch wenn der Kopf hellsichtig wird, nützt es nichts, wenn nicht darauf Mobilität und Identität steht.

Alles dreht sich um in der Magengegend, denn von dem linken Wallonen- und dem rechten Flamenlungenflügel ist kein sauerstoffdurchtränktes Blut zu erwarten. Deswegen kann die Kopie des oben erwähnten Filters auch nichts mehr durchsetzen, im Gegenteil, der Problemfilter wird zum Filterproblem. Auch der Ausweis bietet uns keine Rettungsinsel an, denn im Endeffekt bewegt sich unsere Identität auf einem schmalen Kulturtrottoir, auch die Beine gehen dorthin, wo die Farben der belgischen Fahne den Ostbelgienmenschen dressieren. Trotzdem, Glanz entsteht durch goldene Umrahmung des Ganzen.“

Bei mir bleibt eine Frage zu diesem Geschenk: Wie könnte ein „Ostbelgienfilter“ heute wohl aussehen?

Francis Feidler

Nidrum

 


 

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Das Buch "Hallo, so sind wir!" über die Geschichte der ostbelgischen Landfrauen. ©BRF

Die Landfrauen: Ein Geschenk von Gisela Clooth

Ich verbinde die „100 Jahre Ostbelgien“ mit fast 70 Jahren Landfrauenleben in unserer Heimat. Ich möchte deshalb ein Exemplar des Buches „Hallo, so sind wir“ schenken, das anlässlich des 50. Geburtstages des Verbandes herausgegeben wurde. Viele Menschen, die in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens leben oder in unsere Heimat gezogen sind, haben den Namen „Landfrauenverband“ schon einmal irgendwo gehört. Aber wofür steht der Name? Was verbirgt sich dahinter?

Der LFV ist eine Erwachsenenbildungsorganisation, die vom ehrenamtlichen Einsatz vieler Frauen vor Ort lebt. Durch seine Struktur und durch den demokratischen Aufbau ist die Mitgestaltung durch die Mitglieder nicht nur frommer Wunsch sondern gelebte Realität. Das Zielpublikum sind die Frauen, die in Ostbelgien leben. In 50 lokalen Gruppen arbeiten über 1.800 Mitglieder zusammen. Sie engagieren sich, begegnen sich, entdecken miteinander Neues, lernen, feiern Feste, unternehmen Reisen und praktizieren lebenslanges Lernen.

In Ostbelgien beheimatet zu sein, bedeutet für mich Verbundenheit mit meiner Familie, den Nachbarn und in der Pfarre. Ich erlebe diese Verbindung als nährend und beschützend.

In Ostbelgien beheimatet zu sein, bedeutet für den Landfrauenverband seit den 1950er Jahren an der Bildung, der Gleichberechtigung und an der Partizipation von Frauen vor Ort mitwirken zu dürfen. Die Überschaubarkeit Ostbelgiens ermöglicht es, das Ohr immer nahe bei den Frauen zu haben. Eine Arbeit wie die des LFV wäre in einer städtischen Umgebung nur schwer denkbar. Für all das bin ich und sind wir dankbar.

Gisela Cloot, Eupen

 


 

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Ein Bild des Roten Kreuzes in Sankt Vith. © Marie-Hélène Düsseldorf

Das Rote Kreuz: Ein Geschenk von Marie-Hélène Düsseldorf

Liebes Ostbelgien,

ich möchte dir zu deinem runden Geburtstag ein Bild vom Haus des Roten Kreuzes in St. Vith schenken.

Die Geschichte des Roten Kreuzes (gegründet 1863) hat eine genauso wechselhafte Geschichte wie unsere Region, in der ich geboren wurde.

Das Rote Kreuz, ob deutsch oder belgisch, stand auch in deiner 100jährigen Geschichte an der Seite derer, die Schutz und Hilfe brauchten. Und das ohne zu fragen: „Bist Du Freund oder Feind?“ Die Frage hieß immer: „Wie kann ich Dir helfen?“

Das Haus des Roten Kreuzes auf dem Bild, finanziert mit Hilfe unserer Gemeinschaft und unserer Gemeinden, steht auch heute für Schutz und Hilfe für die Menschen, die uns tagtäglich brauchen. Heute führen andere Schicksale Menschen in dieses Haus als in der Vergangenheit. Auch vor Ort hat sich das Rote Kreuz gewandelt. Das Schutzzeichen, ein rotes Kreuz auf weißem Grund, steht heute hier und in aller Welt noch immer als Mahnung und als Hilfe für die Zivilbevölkerung, die in Not geraten ist.

Am 12. August 1949, vor über 70 Jahren, wurden die Genfer Konventionen unterzeichnet, die die Grundlage des humanitären Völkerrechts sind. Belgien war damals einer der ersten Staaten, der diese Konventionen unterzeichnet hat. Der Inhalt beruht auf einer Idee von Henri Dunant, dem Gründer des Internationalen Roten Kreuzes. Diese Vision eines einzelnen Mannes ist heute wichtiger denn je.

Mein Geschenk an unsere Gemeinschaft ist unser Dank für die Unterstützung dieser wunderbaren Organisation, der ich mit Stolz und Demut noch immer sehr gerne angehöre.

Marie-Hélène Düsseldorf, St. Vith

 


 

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Ein Auszug aus dem Tagebuch Wilhelm Benkers. © Gerhard Reuter

Das Tagebuch: Ein Geschenk von Gerhard Reuter

Heute vergessen wir oft, dass der Vaterlandswechsel vor 100 Jahren für unsere Vorfahren ausgesprochen schwierig war. Deshalb möchte ich Ostbelgien die Kopie eines besonderen Fundes schenken.

Als vor einigen Jahren ein Haus in der Kirchstraße in Nidrum verkauft wurde, fiel bei der Hausräumung ein Schuhkarton auf. In ihm fanden sich Fotos, Familiendokumente, Reisepässe, Soldbücher u.a. Sie stammten von Wilhelm Benker, der 1881 im Hause „Brongs“ zu Nidrum geboren worden war. 1919 war er Sekretär der Bürgermeisterei Bütgenbach und einer der führenden Köpfe gegen die Annexion Eupen-Malmedys durch Belgien im Zuge des Versailler Vertrages. Er sah darin ein Unrecht, gegen das er ein Leben lang protestierte. Er gründete die „Heimatorganisation zum Schutz der Volksbefragung“. Auch wenn die Gruppe im Untergrund agierte, so setzte der belgische Staat den Doppelagenten Christan Sand auf die Aufrührer an. Am 19. Juni 1920 wurde Benker festgenommen. Sein Protest hatte eine vierwöchige Gefängnisstraße zur Folge, er verlor sein Amt als Bürgermeistereisekretär. Manche Maßnahmen wurden zwar zurückgenommen, die Repressalien gegen ihn hielten aber an. Benker verließ seine Heimat und zog nach Aachen, wo er Oberstadtdirektor wurde.

Doch in diesem Schuhkarton fand sich auch ein Ausdruck des Tagebuches von Wilhelm Benker, das von August 1940 bis März 1941 im Westdeutschen Beobachter, Ausgabe Malmedy-St.Vith, veröffentlicht wurde und heute vergessen ist. Diese Erinnerungen sind aber ein wichtiges Zeitzeugnis. Der Scan ist mein Geschenk an Ostbelgien, das auch in Zukunft in die Geschichte hineinhören soll, um das eigene Zusammenleben auszurichten und die eigene Zukunft kreativ gestalten zu können.

Gerhard Reuter

Nidrum


 

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Ein Bild des Kreuz im Venn auf der Richelsley. © Steffen Heinz CC BY 3.0 Keine Änderungen vorgenommen

Das Kreuz im Venn: Ein Geschenk von Staney Noël

Ich möchte Ostbelgien ein Bild vom sogenannten „Kreuz im Venn“ schenken. Es befindet sich auf der Richelsley, einem 80 m langen und 12 m hohen Felsgrat. 1890 ließ der Kalterherberger Pfarrer, Gerhard Joseph Arnoldy (1834-1914), dort das majestätische sechs Meter hohe Kreuz zum Gedenken an den sogenannten Apostel des Venns, Stefan Horrichem (1607-1686), errichten. Dieser war während des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert Prior des ehemaligen Prämonstratenserklosters Reichenstein bei Monschau und ein Wohltäter der durch den Krieg völlig verarmten Bevölkerung gewesen. 1894 legten die Pfarrangehörige von Kalterherberg zum Anlass des 25-jährigen Priesterjubiläums ihres Pfarrers dort eine Mariengrotte an.

Heute liegt dieser vor 125 Jahren von der Pfarre Kalterherberg gegründete Wallfahrtsort auf belgischem Staatsgebiet. Bis 1920 gehörte die Richelsley zur Stadt Monschau. Dieser Teil des deutschen Territoriums wurde gleichzeitig mit dem Abschnitt der Vennbahn zwischen Kalterherberg und Petersgenfeld (Raeren) belgisch, während die Dörfer zwischen der Eisenbahn und der neuen Grenze deutsch blieben (und Enklaven bildeten).

Es wäre logisch gewesen, dass das Waldgrundstück, auf dem sich das Kreuz im Venn befindet, in das Gebiet der Gemeinde Bütgenbach (zu der die Dörfer Leykaul und Küchelscheid in der Nähe lagen) integriert worden wäre. Doch dem war nicht so: General Baltia, der zwischen 1920 und 1925 als Hochkommissar der belgischen Regierung für die Ostkantone zuständig war, beschloss die Gründung einer neuen Gemeinde: Robertville, die zusammen mit Ovifat von Waimes abgetrennt wurde. Diese neue Gemeinde erhielt Sourbrodt und somit das Gebiet zwischen der Schwarzbach und der Hill und den von Monschau abgetretenen Teil des Territoriums. Als Entschädigung erhielt Bütgenbach ein Waldgrundstück.

Wie lässt sich das erklären?

Die einzige Hypothese, für die es mehrere Indizien gibt, ist folgende: Der Erste Weltkrieg war für die Belgier der „große Krieg“, in dem das Land in besonders hohem Maße gelitten hatte. Die dadurch weitgehend antigermanische, französischsprachige Elite im belgischen Staat wollte unbedingt verhindern, dass die neue Ostgrenze ausschließlich von deutschsprachigen Gemeinden besetzt sei.

Deshalb dürften diese Venngebiete wohl der neuen französischsprachigen Gemeinde Robertville zugeschlagen worden sein, die ab dem 1. Januar 1977 in die Gemeinde Waimes aufging.  Diese französischsprachige Gemeinde ist somit die einzige, die eine 8 km lange Grenze zu Deutschland (Monschau, Städteregion Aachen) hat. Und dieser Gebietsstreifen teilt das Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft durch einen drei bis vier km breiten Waldstreifen in zwei Teile.

Für mich haben dieses Kreuz und sein Standort heute eine hohe, vereinende Symbolkraft. Es steht für die Not und das Leiden der Grenzbevölkerung in den vergangenen Jahrhunderten, für ihre katholische Verwurzlung sowie für die Weltkriege, durch die die Grenzen in dieser Region immer wieder willkürlich verschoben wurden. Es ist für mich aber auch ein Zeichen der Hoffnung, dass die Menschen jenseits der Sprach- und Landesgrenzen rund um dieses Kreuz diese alten Grenzen immer wieder in Offenheit überschreiten und aufeinander zugehen.

Stany Noël

Walk


 

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Eine alte Schulbank aus der Grundschule Neidingen. © Christine Baumann

Die Schulbank: Ein Geschenk von Christine Baumann

Liebe DG, liebes Ostbelgien!

Ich habe mir für Dich als Geschenk zu Deinem 100. diese alte Schulbank ausgesucht!

Als wir vor 22 Jahren aus dem benachbarten Ausland zu Dir kamen, konnten wir unsere Kinder in eine der kleinsten Dorfschulen einschulen. Wenige Wochen waren wir da, als diese Schule ein großes Fest veranstaltete. Wir erlebten hautnah mit, wie ausgiebig man in Ostbelgien feiert, haben natürlich mitgemacht und auch bei den Vorbereitungen geholfen. So waren wir im Nu ‚angekommen’ und angenommen im Dorf und der Gemeinschaft. Kleine Schule , großes Fest! Beim Fest konnten wir diese Schulbank ersteigern, an der unsere Kinder noch lange ihre Schularbeiten gemacht haben . Nun sind sie längst erwachsen nach Studium und Beruf und ‚in der Welt’....

Ich möchte Dir gerne diese Schulbank aus einer kleinen Dorfschule zu Deinem runden Geburtstag schenken, weil sie ein Ausdruck dafür ist, was man erreichen kann, selbst oder gerade weil man klein ist! Auch Du, Ostbelgien, bist wahrlich klein, umrahmt von großen Nachbarn in Belgien und noch größeren in Europa .  Wir möchten Dir danken, dass Du es schaffst, gerade durch Deine Kleinheit Profil und Menschlichkeit zu wahren. Es sind doch gerade in der aktuellen ‚Cornona-Krise’ die kleinen Wege zu unseren Volksvertretern, die kleinen lokalen Geschäfte und die kleinen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen vor Ort, die sich auf unsere Bedürfnisse schnell einstellen konnten und uns Sicherheit und Zuversicht geben!

Aber die Schulbank ist für mich auch ein Symbol dafür, wie wichtig Dir die Schule ist. Der Erhalt der deutschen Sprache, aber auch die Mehrsprachigkeit waren von Anfang an wichtige Grundpfeiler Deiner Identität. Es gab gerade in Deiner so wechselvollen Geschichte viele Kämpfe um die Schule, nicht nur den ‚Schulkampf in St. Vith’.

Die Schulbank zeigt tiefe Gebrauchsspuren, aber sie ist stabil und eigentlich unverwüstlich. Genau das wünschen wir Dir auch für die kommenden Jahrhunderte.

Sei stolz auf Deine Kleinheit, auf Deine kleinen Strukturen, wie die beiden Krankenhäuser oder die vielen Schulen, verbunden mit allen Möglichkeiten der heutigen Zeit. Auch in Deine Dorfschulen haben indessen längst ‚Tablets’ Einzug gefunden, und das ist gut so! Bleibe klein und fein, um Deinen Menschen einen überschaubaren, in vielen Dingen selbstbestimmten Lebensraum zu geben, aber gebildet und vernetzt, um über den eigenen ‚Tellerrand’ hinausschauen zu können.

Herzlichen Glückwunsch!

Deine

Christine Baumann


 

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Ein Gruppenfoto der Eupener Pfadfinder St. Georg aus dem Jahr 1934. © Archiv Pfadfinder Eupen

Die Pfadfinder: Ein Geschenk von Werner Miessen

Mein Geschenk an die DG ist das wohl älteste Gruppenfoto der ersten ostbelgischen Pfadfinder: die Eupener Einheit „St. Georg“ im Sommer 1934.

Die Jugendgruppe war 1933 von dem Eupener Seminaristen und späteren Direktor der Bischöflichen Schule St. Vith, Jean Rentgens (1914-1957), gegründet worden. Sie schloss sich kurz darauf dem Verband der „Baden-Powell Belgian Boy-Scouts“ an.

Das Foto erinnert mich an meine eigene Pfadfinderzeit in den 1950er und 1960er Jahren. Wenn Schule und Studium es zuließen, ging’s hinaus durch unsere schöne Region. Mit interessanten Entdeckungen und wertvollen Begegnungen. Und es entstand – neben der von Baden-Powell angestrebten Weltoffenheit – ein solides Heimatgefühl.

Werner Miessen

Eupen

 

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Fahrradclub Honsfeld ca. 1930. 

Der Fahrradclub: Ein Geschenk von Irmgard & Paul McKelvie-Maraite

Anbei sende ich Ihnen ein Foto vom Fahrradclub Honsfeld. Ich schätze es datiert in etwa um 1930. Die junge Frau in der Mitte ist meine Mutter, welche geboren wurde am 8.September 1912 und 102 Jahre alt geworden ist.
Ich hoffe, dass ich mit diesem Foto einen kleinen Beitrag zum 100. Geburtstag Ostbelgiens beigetragen habe.
Mit freundlichen Grüssen
Irmgard & Paul McKelvie-Maraite
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