Ein Geschenk für Ostbelgien

Das heutige Ostbelgien wird 100 Jahre alt. Zeit für Geschenke? Die Bürger der Deutschsprachigen Gemeinschaft sollen die Möglichkeit geboten bekommen, ihrer „DG“ ein Geschenk zu machen. Dieses Geschenk soll „100 Jahre Ostbelgien“ aus einer subjektiven Perspektive beleuchtet. Das Geschenk kann aus der Vergangenheit (ein persönliches oder familiäres Erinnerungsstück) oder der Gegenwart (ein zeitgenössisches Objekt) stammen, es kann ein Schriftstück (Brief, Tagebuchauszug, Notiz, u.a.), ein Bild (Foto, Gemälde, u.a.) ein Lied oder Musikstück, ein Objekt (Sachgegenstand egal welcher Art) oder ganz einfach etwas Originelles sein. Obwohl das Wort "Geschenk" eine positive Konnotation hat, kann das Objekt auch zum Nachdenken über die Geschichte der Region anregen!

Die Teilnehmer können dieses Objekt schenken oder zu einer Ablichtung (digitales Foto oder Kopie) zur Verfügung stellen. Immer sollten sie aber das Objekt durch einen eigenen kurzen Text (zwischen zehn und 50 Zeilen) in einen Kontext stellen und verdeutlichen, warum dieses Objekt eine Facette aus dem großen Mosaik der „100 Jahre Ostbelgien“ ist.

Der BRF berichtet über das Projekt: Ein Geschenk für Ostbelgien: Das Zentrum für ostbelgische Geschichte will zum Nachdenken anregen

Das Grenz-Echo berichtet über das Projekt: Zentrum für Ostbelgische Geschichte lädt ein zur Serie „Ein Geschenk für Ostbelgien“

 

Geschenke können unter folgender Mailadresse eingereicht werden: info@geschichte.be

Wir behalten uns das Recht vor, Beiträge zu redigieren (Rechtschreibung, Grammatik).

Einreichungen können in folgenden Fällen abgelehnt werden:

  • Der Beitrag verstößt gegen demokratische Grundprinzipien oder stellt diese in Frage: Rassismus, Hasspropaganda, Diskriminierung werden nicht geduldet.
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Jeder Beitrag muss den vollständigen Klarnamen des Verfassers (Vorname, Nachname), Adresse und Telefonnummer (zur Überprüfung dieser Angaben) enthalten. Der vollständige Klarname und der Wohnort werden veröffentlicht.

 

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Ein Gruppenfoto der Eupener Pfadfinder St. Georg aus dem Jahr 1934. © Archiv Pfadfinder Eupen

Die Pfadfinder: Ein Geschenk von Werner Miessen

Mein Geschenk an die DG ist das wohl älteste Gruppenfoto der ersten ostbelgischen Pfadfinder: die Eupener Einheit „St. Georg“ im Sommer 1934.

Die Jugendgruppe war 1933 von dem Eupener Seminaristen und späteren Direktor der Bischöflichen Schule St. Vith, Jean Rentgens (1914-1957), gegründet worden. Sie schloss sich kurz darauf dem Verband der „Baden-Powell Belgian Boy-Scouts“ an.

Das Foto erinnert mich an meine eigene Pfadfinderzeit in den 1950er und 1960er Jahren. Wenn Schule und Studium es zuließen, ging’s hinaus durch unsere schöne Region. Mit interessanten Entdeckungen und wertvollen Begegnungen. Und es entstand – neben der von Baden-Powell angestrebten Weltoffenheit – ein solides Heimatgefühl.

Werner Miessen

Eupen

 

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Eine alte Schulbank aus der Grundschule Neidingen. © Christine Baumann

Die Schulbank: Ein Geschenk von Christine Baumann

Liebe DG, liebes Ostbelgien!

Ich habe mir für Dich als Geschenk zu Deinem 100. diese alte Schulbank ausgesucht!

Als wir vor 22 Jahren aus dem benachbarten Ausland zu Dir kamen, konnten wir unsere Kinder in eine der kleinsten Dorfschulen einschulen. Wenige Wochen waren wir da, als diese Schule ein großes Fest veranstaltete. Wir erlebten hautnah mit, wie ausgiebig man in Ostbelgien feiert, haben natürlich mitgemacht und auch bei den Vorbereitungen geholfen. So waren wir im Nu ‚angekommen’ und angenommen im Dorf und der Gemeinschaft. Kleine Schule , großes Fest! Beim Fest konnten wir diese Schulbank ersteigern, an der unsere Kinder noch lange ihre Schularbeiten gemacht haben . Nun sind sie längst erwachsen nach Studium und Beruf und ‚in der Welt’....

Ich möchte Dir gerne diese Schulbank aus einer kleinen Dorfschule zu Deinem runden Geburtstag schenken, weil sie ein Ausdruck dafür ist, was man erreichen kann, selbst oder gerade weil man klein ist! Auch Du, Ostbelgien, bist wahrlich klein, umrahmt von großen Nachbarn in Belgien und noch größeren in Europa .  Wir möchten Dir danken, dass Du es schaffst, gerade durch Deine Kleinheit Profil und Menschlichkeit zu wahren. Es sind doch gerade in der aktuellen ‚Cornona-Krise’ die kleinen Wege zu unseren Volksvertretern, die kleinen lokalen Geschäfte und die kleinen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen vor Ort, die sich auf unsere Bedürfnisse schnell einstellen konnten und uns Sicherheit und Zuversicht geben!

Aber die Schulbank ist für mich auch ein Symbol dafür, wie wichtig Dir die Schule ist. Der Erhalt der deutschen Sprache, aber auch die Mehrsprachigkeit waren von Anfang an wichtige Grundpfeiler Deiner Identität. Es gab gerade in Deiner so wechselvollen Geschichte viele Kämpfe um die Schule, nicht nur den ‚Schulkampf in St. Vith’.

Die Schulbank zeigt tiefe Gebrauchsspuren, aber sie ist stabil und eigentlich unverwüstlich. Genau das wünschen wir Dir auch für die kommenden Jahrhunderte.

Sei stolz auf Deine Kleinheit, auf Deine kleinen Strukturen, wie die beiden Krankenhäuser oder die vielen Schulen, verbunden mit allen Möglichkeiten der heutigen Zeit. Auch in Deine Dorfschulen haben indessen längst ‚Tablets’ Einzug gefunden, und das ist gut so! Bleibe klein und fein, um Deinen Menschen einen überschaubaren, in vielen Dingen selbstbestimmten Lebensraum zu geben, aber gebildet und vernetzt, um über den eigenen ‚Tellerrand’ hinausschauen zu können.

Herzlichen Glückwunsch!

Deine

Christine Baumann

 

 

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Ein Bild des Kreuz im Venn auf der Richelsley. © Steffen Heinz CC BY 3.0 Keine Änderungen vorgenommen

Das Kreuz im Venn: Ein Geschenk von Staney Noël

Ich möchte Ostbelgien ein Bild vom sogenannten „Kreuz im Venn“ schenken. Es befindet sich auf der Richelsley, einem 80 m langen und 12 m hohen Felsgrat. 1890 ließ der Kalterherberger Pfarrer, Gerhard Joseph Arnoldy (1834-1914), dort das majestätische sechs Meter hohe Kreuz zum Gedenken an den sogenannten Apostel des Venns, Stefan Horrichem (1607-1686), errichten. Dieser war während des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert Prior des ehemaligen Prämonstratenserklosters Reichenstein bei Monschau und ein Wohltäter der durch den Krieg völlig verarmten Bevölkerung gewesen. 1894 legten die Pfarrangehörige von Kalterherberg zum Anlass des 25-jährigen Priesterjubiläums ihres Pfarrers dort eine Mariengrotte an.

Heute liegt dieser vor 125 Jahren von der Pfarre Kalterherberg gegründete Wallfahrtsort auf belgischem Staatsgebiet. Bis 1920 gehörte die Richelsley zur Stadt Monschau. Dieser Teil des deutschen Territoriums wurde gleichzeitig mit dem Abschnitt der Vennbahn zwischen Kalterherberg und Petersgenfeld (Raeren) belgisch, während die Dörfer zwischen der Eisenbahn und der neuen Grenze deutsch blieben (und Enklaven bildeten).

Es wäre logisch gewesen, dass das Waldgrundstück, auf dem sich das Kreuz im Venn befindet, in das Gebiet der Gemeinde Bütgenbach (zu der die Dörfer Leykaul und Küchelscheid in der Nähe lagen) integriert worden wäre. Doch dem war nicht so: General Baltia, der zwischen 1920 und 1925 als Hochkommissar der belgischen Regierung für die Ostkantone zuständig war, beschloss die Gründung einer neuen Gemeinde: Robertville, die zusammen mit Ovifat von Waimes abgetrennt wurde. Diese neue Gemeinde erhielt Sourbrodt und somit das Gebiet zwischen der Schwarzbach und der Hill und den von Monschau abgetretenen Teil des Territoriums. Als Entschädigung erhielt Bütgenbach ein Waldgrundstück.

Wie lässt sich das erklären?

Die einzige Hypothese, für die es mehrere Indizien gibt, ist folgende: Der Erste Weltkrieg war für die Belgier der „große Krieg“, in dem das Land in besonders hohem Maße gelitten hatte. Die dadurch weitgehend antigermanische, französischsprachige Elite im belgischen Staat wollte unbedingt verhindern, dass die neue Ostgrenze ausschließlich von deutschsprachigen Gemeinden besetzt sei.

Deshalb dürften diese Venngebiete wohl der neuen französischsprachigen Gemeinde Robertville zugeschlagen worden sein, die ab dem 1. Januar 1977 in die Gemeinde Waimes aufging.  Diese französischsprachige Gemeinde ist somit die einzige, die eine 8 km lange Grenze zu Deutschland (Monschau, Städteregion Aachen) hat. Und dieser Gebietsstreifen teilt das Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft durch einen drei bis vier km breiten Waldstreifen in zwei Teile.

Für mich haben dieses Kreuz und sein Standort heute eine hohe, vereinende Symbolkraft. Es steht für die Not und das Leiden der Grenzbevölkerung in den vergangenen Jahrhunderten, für ihre katholische Verwurzlung sowie für die Weltkriege, durch die die Grenzen in dieser Region immer wieder willkürlich verschoben wurden. Es ist für mich aber auch ein Zeichen der Hoffnung, dass die Menschen jenseits der Sprach- und Landesgrenzen rund um dieses Kreuz diese alten Grenzen immer wieder in Offenheit überschreiten und aufeinander zugehen.

Stany Noël

Walk

 

 

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Ein Auszug aus dem Tagebuch Wilhelm Benkers. © Gerhard Reuter

Das Tagebuch: Ein Geschenk von Gerhard Reuter

Heute vergessen wir oft, dass der Vaterlandswechsel vor 100 Jahren für unsere Vorfahren ausgesprochen schwierig war. Deshalb möchte ich Ostbelgien die Kopie eines besonderen Fundes schenken.

Als vor einigen Jahren ein Haus in der Kirchstraße in Nidrum verkauft wurde, fiel bei der Hausräumung ein Schuhkarton auf. In ihm fanden sich Fotos, Familiendokumente, Reisepässe, Soldbücher u.a. Sie stammten von Wilhelm Benker, der 1881 im Hause „Brongs“ zu Nidrum geboren worden war. 1919 war er Sekretär der Bürgermeisterei Bütgenbach und einer der führenden Köpfe gegen die Annexion Eupen-Malmedys durch Belgien im Zuge des Versailler Vertrages. Er sah darin ein Unrecht, gegen das er ein Leben lang protestierte. Er gründete die „Heimatorganisation zum Schutz der Volksbefragung“. Auch wenn die Gruppe im Untergrund agierte, so setzte der belgische Staat den Doppelagenten Christan Sand auf die Aufrührer an. Am 19. Juni 1920 wurde Benker festgenommen. Sein Protest hatte eine vierwöchige Gefängnisstraße zur Folge, er verlor sein Amt als Bürgermeistereisekretär. Manche Maßnahmen wurden zwar zurückgenommen, die Repressalien gegen ihn hielten aber an. Benker verließ seine Heimat und zog nach Aachen, wo er Oberstadtdirektor wurde.

Doch in diesem Schuhkarton fand sich auch ein Ausdruck des Tagebuches von Wilhelm Benker, das von August 1940 bis März 1941 im Westdeutschen Beobachter, Ausgabe Malmedy-St.Vith, veröffentlicht wurde und heute vergessen ist. Diese Erinnerungen sind aber ein wichtiges Zeitzeugnis. Der Scan ist mein Geschenk an Ostbelgien, das auch in Zukunft in die Geschichte hineinhören soll, um das eigene Zusammenleben auszurichten und die eigene Zukunft kreativ gestalten zu können.

Gerhard Reuter

Nidrum

 

 

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Ein Bild des Roten Kreuzes in Sankt Vith. © Marie-Hélène Düsseldorf

Das Rote Kreuz: Ein Geschenk von Marie-Hélène Düsseldorf

Liebes Ostbelgien,

ich möchte dir zu deinem runden Geburtstag ein Bild vom Haus des Roten Kreuzes in St. Vith schenken.

Die Geschichte des Roten Kreuzes (gegründet 1863) hat eine genauso wechselhafte Geschichte wie unsere Region, in der ich geboren wurde.

Das Rote Kreuz, ob deutsch oder belgisch, stand auch in deiner 100jährigen Geschichte an der Seite derer, die Schutz und Hilfe brauchten. Und das ohne zu fragen: „Bist Du Freund oder Feind?“ Die Frage hieß immer: „Wie kann ich Dir helfen?“

Das Haus des Roten Kreuzes auf dem Bild, finanziert mit Hilfe unserer Gemeinschaft und unserer Gemeinden, steht auch heute für Schutz und Hilfe für die Menschen, die uns tagtäglich brauchen. Heute führen andere Schicksale Menschen in dieses Haus als in der Vergangenheit. Auch vor Ort hat sich das Rote Kreuz gewandelt. Das Schutzzeichen, ein rotes Kreuz auf weißem Grund, steht heute hier und in aller Welt noch immer als Mahnung und als Hilfe für die Zivilbevölkerung, die in Not geraten ist.

Am 12. August 1949, vor über 70 Jahren, wurden die Genfer Konventionen unterzeichnet, die die Grundlage des humanitären Völkerrechts sind. Belgien war damals einer der ersten Staaten, der diese Konventionen unterzeichnet hat. Der Inhalt beruht auf einer Idee von Henri Dunant, dem Gründer des Internationalen Roten Kreuzes. Diese Vision eines einzelnen Mannes ist heute wichtiger denn je.

Mein Geschenk an unsere Gemeinschaft ist unser Dank für die Unterstützung dieser wunderbaren Organisation, der ich mit Stolz und Demut noch immer sehr gerne angehöre.

Marie-Hélène Düsseldorf, St. Vith

 

 

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Das Buch "Hallo, so sind wir!" über die Geschichte der ostbelgischen Landfrauen. ©BRF

Die Landfrauen: Ein Geschenk von Gisela Clooth

Ich verbinde die „100 Jahre Ostbelgien“ mit fast 70 Jahren Landfrauenleben in unserer Heimat. Ich möchte deshalb ein Exemplar des Buches „Hallo, so sind wir“ schenken, das anlässlich des 50. Geburtstages des Verbandes herausgegeben wurde. Viele Menschen, die in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens leben oder in unsere Heimat gezogen sind, haben den Namen „Landfrauenverband“ schon einmal irgendwo gehört. Aber wofür steht der Name? Was verbirgt sich dahinter?

Der LFV ist eine Erwachsenenbildungsorganisation, die vom ehrenamtlichen Einsatz vieler Frauen vor Ort lebt. Durch seine Struktur und durch den demokratischen Aufbau ist die Mitgestaltung durch die Mitglieder nicht nur frommer Wunsch sondern gelebte Realität. Das Zielpublikum sind die Frauen, die in Ostbelgien leben. In 50 lokalen Gruppen arbeiten über 1.800 Mitglieder zusammen. Sie engagieren sich, begegnen sich, entdecken miteinander Neues, lernen, feiern Feste, unternehmen Reisen und praktizieren lebenslanges Lernen.

In Ostbelgien beheimatet zu sein, bedeutet für mich Verbundenheit mit meiner Familie, den Nachbarn und in der Pfarre. Ich erlebe diese Verbindung als nährend und beschützend.

In Ostbelgien beheimatet zu sein, bedeutet für den Landfrauenverband seit den 1950er Jahren an der Bildung, der Gleichberechtigung und an der Partizipation von Frauen vor Ort mitwirken zu dürfen. Die Überschaubarkeit Ostbelgiens ermöglicht es, das Ohr immer nahe bei den Frauen zu haben. Eine Arbeit wie die des LFV wäre in einer städtischen Umgebung nur schwer denkbar. Für all das bin ich und sind wir dankbar.

Gisela Cloot, Eupen

 

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Der "Ostbelgienfilter" in der Zeitschrift Zwischen Venn und Schneifel. ©ZVS

Der Ostbelgienfilter: Ein Geschenk von Francis Feidler

Was ist Ostbelgien? Wer ist Ostbelgier? Ich möchte Ostbelgien zum Jubiläum die Fotografie eines Werkes „Ostbelgienfilter“ schenken, das ich 1982 entworfen habe. Es bestand aus Holz, einem Aluminiumfilter, einer Ausweiskarte und Ölfarben.

Damals schrieb ich: „Ein Mensch sucht seine Identität. Er fällt auf mancherlei Schwierigkeiten und schließlich stößt er auf die Tatsache, dass er als Ostbelgienmensch abhängig ist von den Flamen, Wallonen oder beiden zusammen.

Die augenblickliche Situation ist noch die vorteilhafteste, die er in seiner Geschichte kennt, denn um den Identitätsbegriff steht es schlecht bestellt in der Vergangenheit. Vor uns steht ein Mensch, der historisch nicht begrenzt ist, der jetzt und zukünftig lebt, weder männlich noch weiblich ist, der keinen Bestimmungsort hat und keiner Partei angehört. Einziges Erkennungszeichen ist die belgische Fahne, die ihn auf eine überflüssige Art und Weise dekoriert.

Da er meistens von Bauerneltern herstammte, ist sein Kopf durch ein Milchsieb dargestellt. Zweideutigkeit wird somit produziert, denn einerseits steht das Sieb symbolhaft da für denjenigen, der nicht mit seinem Kopf arbeitet, dem alles durchgeht, und der keine Zusammenhänge erfasst; andererseits steht dieses Sieb da für einen neuen Aufbruch, ein neues Bewusstsein, das im Kopfe des Ostbelgienmenschen entsteht, das gesteuert wird von Gedanken und Aktionen. Auch wenn der Kopf hellsichtig wird, nützt es nichts, wenn nicht darauf Mobilität und Identität steht.

Alles dreht sich um in der Magengegend, denn von dem linken Wallonen- und dem rechten Flamenlungenflügel ist kein sauerstoffdurchtränktes Blut zu erwarten. Deswegen kann die Kopie des oben erwähnten Filters auch nichts mehr durchsetzen, im Gegenteil, der Problemfilter wird zum Filterproblem. Auch der Ausweis bietet uns keine Rettungsinsel an, denn im Endeffekt bewegt sich unsere Identität auf einem schmalen Kulturtrottoir, auch die Beine gehen dorthin, wo die Farben der belgischen Fahne den Ostbelgienmenschen dressieren. Trotzdem, Glanz entsteht durch goldene Umrahmung des Ganzen.“

Bei mir bleibt eine Frage zu diesem Geschenk: Wie könnte ein „Ostbelgienfilter“ heute wohl aussehen?

Francis Feidler

Nidrum

 

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Eine Medaille als Zeichen der fünfjährigen Zugehörigkeit zum Rat der deutschen Kulturgemeinschaft. ©Helmut Schmitz

Die Medaille: Ein Geschenk von Helmut Schmitz

Zum Jubiläum möchte ich Ostbelgien die Medaille schenken, die ich für meine fünfjährige Zugehörigkeit zum Rat der deutschen Kulturgemeinschaft (1979 bis 1984) erhalten habe. Sie erinnert mich an meine persönliche Entwicklung und die der ostbelgischen Heimat.

Ostbelgien hätte wahrscheinlich nie die heutige Bedeutung und Lebensqualität erreicht, wenn es vor 100 Jahren nicht zu Belgien gekommen wäre. Unser sprachliches Alleinstellungsmerkmal und der Zwist der beiden großen Kulturgemeinschaften unseres Landes haben uns eine weitgehende Autonomie beschert, die allerdings nicht einfach vom Himmel gefallen ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben mutige Politiker und Verantwortliche der Gesellschaft sich gegen die Verteufelung der deutschen Kultur und Sprache gewehrt und beharrlich im Inland das Recht auf die eigene sprachliche und kulturelle Identität eingefordert. Inzwischen ist institutionell vieles erreicht, das nun allen hier wohnenden Bürgerinnen und Bürgern dienen soll. Für mich ist die deutschsprachige Gemeinschaft weder ein Selbstbedienungsladen noch eine künstliche Insel, die ihre Nachbarn nicht kennt oder kennen will.

Ich selbst betrachte meine fünfjährige Zugehörigkeit zum RDK als einen interessanten, lehrreichen Ausflug in ein wichtiges Feld unserer Gesellschaft. Er hat mich letztlich in der Rückkehr zu „meiner ersten Liebe“, der Berufung zum Priester, bestärkt.

Durch meinen Dienst als Priester habe ich während 15 Jahren in Neu-Löwen eine zweite Heimat gefunden: Wallonisch Brabant, wo ich die kulturelle Vielfalt, die inzwischen auch bei uns angekommen ist, kennen und schätzen gelernt habe.

Eigentlich sind der Job des Politikers und des Priesters gar nicht so weit von einander entfernt: Es geht um den Dienst am Nächsten. So sagte die verstorbene Lütticher Senatorin Huberte Hanquet (1926-2018) einmal: „Die Politik ist die höhere Form der Nächstenliebe“.

Möge letztere alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinschaft kennzeichnen; möge sie sich äußern in der Kombination von Verwurzelung und Weltoffenheit, von gesundem Selbstbewusstsein und echter Solidarität.

Helmut Schmitz

Eupen

 

 

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Eine Kinderzeichnung von Clara Viebig aus der Grundschule Manderfeld. ©Alfred Rauw

Clara Viebig: Ein Geschenk von Alfred Rauw

Die Clara in den Augen der Kinder …

Ich möchte ein Bild schenken. Es ist ein Bild der Schulpatronin der Manderfelder Schule: Clara Viebig, die von 1860 bis 1952 lebte.  Im Zuge der 150. Wiederkehr ihres Geburtstages hatte sich die Schulgemeinschaft ausführlicher als gewohnt mit ihr beschäftigt. Immerhin hatte die Eifeldichterin 1904 mit der naturalistischen Skizze „Auf dem Rosengarten“ erfolgreich um finanziellen Zuspruch für den Bau eines Krankenhauses in Manderfeld geworben.  Die Großgemeindeväter dankten es ihr im Herbst 1982, indem sie die neue Zentralschule offiziell nach ihr benannten.

Die Bildungslandschaft in diesem östlichsten Flecken Belgiens war vor den 1980er Jahren komplexer als heute.  Neben der Volksschule in Manderfeld bestanden noch weitere fünf Zwergschulen in umliegenden Ortschaften. Seit 1969 organisierte zudem der Staat im Gemeindehauptort eine eigene Unterrichtseinrichtung:  Eine lokale Form von Schulkampf war bald spürbar:  Zuerst gingen den umliegenden Kleinschulen die Schüler*innen aus, dann plante die Großgemeinde Büllingen eine „Zentralschule“. 

Um einen Schulfrieden bedacht äußerte Schulschöffe Gerhard Palm 1982 den Wunsch, dass „die beiden bestehenden Schulsysteme in Manderfeld (Staatsschule und Gemeindeschule) sich langfristig einander annähern und in einer nicht allzu fernen Zukunft der Verantwortung der Gemeinde unterstellt werden“.

Eine Fusion wurde aber erst denkbar, nachdem die Deutschsprachige Gemeinschaft 1989 für das Unterrichtswesen zuständig wurde.  Die Zusammenlegung erfolgte 1991. So logisch und sinnvoll ein Zusammenwachsen, was zusammengehört ab dem Schuljahr 1991-92 auch war, gelebte Schulalltag war nie einfach, die Schulfusion blieb ein lange Jahre  dauerndes Experiment. Auf diesem Terrain fehlte es den Initiatoren nicht an Mut oder Weitsicht, aber an Erfahrung.

Immerhin gewährte und verlangte die großgewordene Clara-Viebig-Schule (CVS) Transparenz: nach außen hin den Blick auf eine pittoreske Eifellandschaft freigebend, im Innern Lehr- und Arbeitsräume in einseitig offenen Nischen.  Wer hier lehren, lernen und arbeiten durfte, vereinbarte hausinterne Regeln des Zusammenlebens.

Die wohl entscheidende Probe aufs Exempel kam unverhofft.  Als aus dem St. Elisabeth-Haus ein Empfangszentrum für Asylbewerber wurde.  Die Gemeinde stattete darin Schulräume aus.  Die ersten vier Kinder trafen Anfang Oktober 2001 ein.

Dass die Kinder der Manderfelder Empfangsklasse die Projekttage der Schulpatronin Clara Viebig in der Schulgemeinschaft miterlebten, war im Schuljahr 2010-11 längst Normalität.  Damals entstand das Porträt der Schriftstellerin, das an dieser Stelle  einen Platz haben darf.

Das durch die Rosengarten-Novelle 1904 intendierte Gebäude ist noch da.  Das Rote Kreuz  des Asylbewerberzentrums und die Lehrer*innen der Clara-Viebig-Schule gestalteten seit fast 20 Jahren für weit mehr als 400 Flüchtlingskinder neue Lebenswege – auch in Ostbelgien.

Alfred Rauw,

Mürringen

 

 

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Eine Urkunde eines födekam Play-Ins als Zeichen der musikalischen Verbundenheit zu Ostbelgien. ©Steven Gass

Die Urkunde: Ein Geschenk von Steven Gass

Ich schenke Ostbelgien zum Jubiläum meine Urkunde des Play-In aus dem Jahr 2003 und eine Aufnahme des Projektes aus dem Jahre 2018.

Für mich waren das meine ersten musikalischen Schritte in einer größeren Gruppe und der Grundstein meiner musikalischen Laufbahn und meines Engagements in Ostbelgien.

Seit 15 Jahren habe ich das Glück dieses immer noch tolle Projekt mitplanen und mitgestalten zu dürfen. Es ist nach wie vor eines der spannendsten in meinem Terminkalender.

Auch wenn ich in Namur studiert und gearbeitet habe, so hat es mich zurück nach Ostbelgien gezogen. Die Region bietet viel in der Musikkultur - und dies sowohl in der Amateurkunst wie auch auf professioneller Ebene. Gerade diese Mischung reizt mich. Klare Trennungen in der Musik sollten vermieden werden, denn das Wort Amateur stammt vom Wort amare ab und bedeutet „lieben“. Es ist also die Liebe zur Ausführung, die zählt und nicht ausschließlich die Ausbildung.

Die Urkunde und das Video spiegeln also nicht nur meine musikalischen Anfänge wieder, sondern dieses große Miteinander und die Vielfalt der Angebote in dieser ländlichen Region. Über meine Engagements bei zahlreichen Projekten und Organisationen möchte ich diese Begeisterung, welches in unserer Region entfacht ist, an junge Musiker weitergeben.

Steven Gass

Schlierbach

 

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Der Bildband "Das Hohe Venn" als Zeichen der Naturverbundenheit zu Ostbelgien. ©Willi Filz

Der Bildband: Ein Geschenk von Willi Filz

Ostbelgien möchte ich „Das Hohe Venn. Bilder einer Landschaft“ schenken.

Es wurde 1992 veröffentlicht. Der gesamte Prozess der Buchproduktion beinhaltete neben den technischen und fotografischen Herausforderungen vor allem eins: Freude. Die Freude, den Wind, die Weite, den Regen, das Gewitter zu spüren. Freude, meine Liebe zur Fotografie und zur Natur entwickeln zu können. Trotz der 25 kg schweren Großformat-Kamera-Ausrüstung hatte der Weg durch das Venn bei Nebel, Schnee oder eisiger Kälte eine unglaubliche Leichtigkeit.

Ich kehre auch heute immer wieder zurück und empfinde tiefe Freude über diese großartige Natur vor unserer Haustür.

Willi Filz

Iveldingen

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